4. Oktober 2022

Nachtigall ik’ hör dir trapsen

Bis heute sind weltweit schon einige Korrekturen am Aktienmarkt vorgenommen, die Kurse sanken überall und werden in den kommenden Monaten noch weiter sukzessive sinken. Damit ist erst einmal wieder etwas Spannung aus dem Spekulationsmarkt genommen. Spekulationsvermögen, welches ansonsten weiter nach Rendite und Profit gegiert hätte, ist so in der Luft verpufft.
Unser Finanzminister plant nun eine Regierungserklärung, um das Volk zu beruhigen. Auch Angela Merkel hält die „Fundamentaldaten“ (das liest sich wie der Name einer neuen Dattelsorte aus Tunesien) unserer Volkswirtschaft für „noch gut“. Die Betonung liegt auf noch. Und es muss die Frage gestattet sein, was in dem Zusammenhang mit dem Adjektiv „gut“ genau gemeint ist?
Gut ist, wenn man für weniger Lohn noch länger arbeiten darf? Gut, denn ist man ja nicht arbeitslos. Gut ist, wenn man Hartz IV bekommt (wenn es mal doch nicht ganz so gut lief), denn sonst würde man ja gar nichts bekommen und kann so wenigstens seinen Magen füllen. Gut ist, wenn die Inflation so langsam aber sicher alle kleineren Sparguthaben vernichtet? Gut ist das, denn: es könnten ja auch ein paar Diebe das ganze Geld auf einmal klauen oder das Militär könnte einen mit lässig umgehängtem Maschinengewehr enteignen. Gut ist, dass es so viele Menschen gibt, die ein Herz für Kinder haben und sich für eine ordentliche Schulspeisung einsetzen. Wir haben es also richtig gut und die „Fundamentaldaten“ sagen ja auch nichts anderes.
In einem Punkt teilen wir die Meinung von Frau Merkel und Herrn Steinbrück: noch ist die Rezession nicht da, sie liegt noch vor uns. Noch gibt es ein paar Programme (wie zum Beispiel das erfolgreiche Gebäudesanierungsprogramm) mit denen man öffentlich Nachfrage halten und damit Geld in den Kreislauf pumpen kann.
Aber sie kommt, so sicher wie das Amen in der Kirche, die Rezession. Weltweit. Amerika dürfte den Anfang machen, doch wir werden bald folgen, wenn nach weiteren „Korrekturen“ auf dem Aktienmarkt und auf dem Arbeitsmarkt der Großteil von uns bis aufs Hemd ausgeplündert ist und mit nichts außer der eigenen Arbeitskraft da steht. Doch mit der weiß man dann auch nicht wohin.
Der SPD-Vize Franz Stiegler ist da schon deutlicher: es gelte, „wachsam zu sein und in aller Stille Optionen zu prüfen und sich vorzubereiten.“ Wen und was meint der Herr Stiegler da wohl? Wahrscheinlich seine KollegInnen in der Regierung. Die sollten das Bankguthaben lieber rechtszeitig in – dann ganz billig gewordene Immobilien oder Gold umwandeln – am besten in der Karibik, damit man sie beim Ausbruch der Rezession nicht schnappen kann.
Doch alles das nützt uns nichts, weder der Zorn, noch Polemik, noch die Hatz auf irgendwelche schief gewickelten PolitkerInnen. Wer wirklich etwas zum Guten bewirken will, der mache sich vertraut mit der Lösung, die solchen Zuständen gewaltfrei ein Ende machen kann. Dauerhaft.
Letzten Endes retten wir damit auch den heutigen Langfingern und unseren skrupelfreien und beratungsresistenten Zeitgenossen das Leben, doch es geht eh nicht anders: Überleben werden wir nur gemeinsam. Die Revolution braucht keinen einzigen Tropfen Blut zu verschwenden, sie muss nur den Kapitalismus überwinden. Wie das geht ist zum Beispiel in dem Buch „Die Lösung der sozialen Frage“ von Otto Valentin zu lesen.

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