2. Oktober 2022

Nun ist es die …. “Wissenschaftsfeindlichkeit”.

Es wird immer offensichtlicher: Politik gestaltet nicht mehr die Lebensgrundlagen der Menschen. Sie kümmert sich nur noch darum, dass ihr Versagen “richtig interpretiert” wird, dass Nebenschauplätze wie Gendersprache und “Kampf gegen den Klimawandel” und wie die Fetische und Götzen alle heißen, von den wirklichen Problemen ablenken, die alle im Kapitalismus hausgemacht sind. Nur dürfen die Folgen des brutalen und globalen Monopolkapitalismus und des neoliberalen Selbstbedienens einiger weniger nicht sichtbar werden oder gar angesprochen werden. Lieber kümmern wir uns also um Diversität und Meinungskorrektheit.

Zu den neuen und damit immer schwach-sinnigeren Vokabeln im offiziellen Diffamierungsvokubular der politischen Gedanken- und Meinungszensur gehört nun das Wort „wissenschaftsfeindlich“.

Ich habe mir diesen Begriff kurz näher angeschaut und in wenigen Minuten seine ideologische Implikation und Absicht durchschaut.

Streng genommen ist in der Wissenschaft alles Denken zunächst erlaubt. Sogenannte „Metatheorien“ wie die „Methodologie“, als Teildisziplin der „Wissenschaftstheorie“, erfassen die Voraussetzungen, Methoden und Ziele der wissenschaftlichen Erkenntnis. Die philosophische Kategorie der Wissenschaftstheorie geht von den normativen und deskriptiven Grundannahmen und Apriori-Annahmen einer wissenschaftlichen Schule aus und begründet damit die Logik, Methodik und Struktur ihrer Erkenntnisgewinnung. Auf dieser Ebene streiten seit Jahrtausenden die Gelehrten um die richtigen Weltbilder, Kriterien und Prozesse der Wirklichkeitskonstruktion und um das Verhältnis von Wissenschaft innerhalb ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen – um die gesellschaftliche Funktion von Wissenschaft schlechthin.

In der Medizin gibt es ein breites Spektrum an Heilansätzen und auch in der Geisteswissenschaft gibt es mehrere Schulen und Denkansätze. Ich denke an den sogenannten „Positivismusstreit“ der kritischen Theorie (Frankfurter Schule – Adorno, Habermas) mit den kritischen Rationalisten (Popper) um die Frage der richtigen Form der Berücksichtigung des Forschers in seinem gesellschaftlichen, zeitlichen und sozialen Kontext und den von dieser Einbettung abhängigen Wirkungen auf die Methoden, Ziele und Ergebnisse von Forschung. In den 70igern war das Denken an den Universitäten noch erlaubt.

Epidemiologische Methoden bilden die Grundlage klinischer Studien. Epidemiologische Untersuchungen spielen auch in der Soziologie und Psychologie eine Rolle, z. B. in der Medizinsoziologie, Entwicklungspsychologie, etwa bei Verhaltensstörungen, Autismus und Selbsttötungen. So können Zusammenhänge zwischen sozialen Phänomenen mit der Verbreitung dieser neuartigen Erscheinungen erfasst und ggf. beeinflusst werden. Auch die Verbreitung eines Virus ist nicht nur ein medizinisches Phänomen, sondern vielmehr auch ein psychologisches und soziologisches Phänomen, das in diesem Kontext gesehen werden muss. Es hat bei Auftreten eines neuartigen Virus epidemiologischem Ausmaßes permanent eine Schaden-Nutzen-Analyse der politischen Maßnahmen, immer mit der Absicht der Überprüfung der Auswirkungen dieser im gesamten Kontext zu erfolgen. Auch die Überprüfung der Angemessenheit dieser im Kontext der Wechselwirkungen auf den unterschiedlichen Ebenen des menschlichen Lebens hat in regelmäßigen Intervallen zu erfolgen.

Es muss wissenschaftlich untersucht werden, inwieweit zum Beispiel “Schutzmaßnahmen” zwar den virologischen Aspekt berücksichtigen, aber den psychologischen und soziologischen Aspekt vernachlässigen. Die Untersuchung der ganzen Bandbreite der Auswirkungen von Krankheitserregern und der Auswirkungen der “Schutzmaßnahmen” auf die Menschen ist nur dann wissenschaftlich, wenn alle Faktoren, Auswirkungen und Ergebnisse auf allen Ebenen (seelische, soziale und körperliche Ebenen) gegeneinander abgewogen werden, vorher in validierten Tests erhoben wurden und alle medizinischen Maßnahmen wissenschaftlich in Langzeitstudien überprüft und zugelassen wurden. Auch das hat bei neuartigen Erregern permanent stattzufinden. Alle Stimmen auf wissenschaftlichen Gebiet haben hier Gehör zu finden!

Wird diese Form der wissenschaftlichen, pluralistischen Herangehensweise durch pure politische Propaganda ersetzt, die zudem noch übergriffig die persönliche Verantwortung, Freiwilligkeit und Mündigkeit des Menschen in seiner körperlichen und seelischen Integrität verletzt, dann zeigt sich Despotie, die die Wissenschaft zwar beschwört, sie aber eigentlich mit Füßen tritt!

Wissenschaft hat sich zudem nicht nur sich selbst (ihre eigene Position zu ihrer Forschung kritisch zu berücksichtigen) infrage zu stellen, sie muss immer anerkennen, dass ihre Methoden, Ziele und Ergebnisse von diesen Voraussetzungen geprägt sind. Sie muss die Forschungsergebnisse immer in den Kontext ihrer Absicht stellen und zu ihr kritisch in den Bezug setzen. Damit Wissenschaft bei ihren erkenntnistheoretischen Kriterien bleibt und nicht durch außerwissenschaftliche Interessen korrumpiert wird.

Wo “Wissenschaft” diesen von allen Aufklärern genannten Anspruch auf permanente Selbstreflexion und kritischem Selbstbezug nicht gerecht wird, ist sie keine Wissenschaft mehr.

Ähnliche Bedeutung verbindet sich mit dem Begriff der „Selbstreferenzialität“.

Diese entsteht, wenn der eigene Standpunkt nicht mehr kritisch in die Prüfung der Validität der angewandten Methoden einbezogen wird. Wird Wissenschaft politisch benutzt, nennt man die Einheit von Politik und Wissenschaft selbstreferenziell. Das bedeutet, dass das politische System die Bedingungen seiner Fortexistenz ständig aus sich selbst reproduziert und die Wissenschaft dafür nur noch instrumentalisiert. Ein offener wissenschaftlicher Erkenntnisprozess ist dann nicht mehr möglich. Das System „Politik“ reproduziert sich und seinen status quo permanent selbst neu, erzeugt die Daten, die es braucht, um sich permanent selbst zu bestätigen, ohne aber diesen Zustand der Geschlossenheit der Datenproduktion im selbstreferenziellen Regelkreis zu hinterfragen.

In dieser Situation ist Wissenschaft nicht mehr frei, sondern die Hure der Politik. Wissenschaft ist aber nur dann Wissenschaft, wenn sie frei bleibt, wenn sie die permanente Selbstüberprüfung ihrer Methoden nicht nur vornimmt, sondern generell zur Bedingung des wissenschaftlichen Erkennens macht. Wo dies nicht mehr geschieht, wo der wissenschaftliche und pluralistische Diskurs nicht stattfindet, haben wir es mit einer toten Datenproduktion im Kontext von politischen Machtbestrebungen zu tun. Die Wissenschaft stagniert, sie kann nicht mehr atmen und stirbt. Sie verkommt zum Fetisch der Macht. Die Politik selbst ist dann wissenschaftsfeindlich.

Dieser Umstand wird dann – wieder ein mal – taktisch auf die Gruppe der politischen Kritiker projiziert, um die Tatsache der eigenen feudalistischen Selbstgerechtigkeit zu kaschieren.

Wo erkannt wird, dass Wissenschaft in diesem Sinne nicht mehr frei ist, ist derjenige, der das beklagt, aus meiner Sicht kein Wissenschaftsfeind, sondern ein echter Wissenschaftler. Während die, die die Wissenschaft nur zur politisch absichtsbasierten Datenreproduktion erwünschter Daten melken, die wahren Wissenschaftsfeinde sind.

Beispiel: https://m.focus.de/gesundheit/news/statistiker-mit-heftiger-kritik-lauterbachs-aussagen-koennen-fundamental-nicht-stimmen_id_136586892.html

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