
Meudalismus, Bodenreform und Freiwirtschaft: Drei Ansätze – Eine Synergie
Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander, während Wohnraum unbezahlbar wird. Viele spüren, dass unser Wirtschaftssystem an einem Wendepunkt steht. Doch die Lösung liegt oft nicht in mehr oder weniger Staat oder mehr oder weniger Markt, sondern in der Beseitigung von Systemfehlern, die bereits vor über 100 Jahren erkannt wurden. (Entkapitalisierung der Marktwirtschaft für eine echte Marktwirtschaft ohne Kapitalismus!)
1. Die Diagnose: Meudalismus (nach Dr. Harald Wozniewski)
Der Begriff „Meudalismus“ beschreibt unsere heutige Rentenökonomie (leistungslose Einkommen aus Privilegen und Eigentum). Es ist ein System, in dem Einkommen nicht mehr primär durch eigene Leistung, sondern durch den Besitz von Privilegien erzielt wird.
Das Problem: Wer über Boden oder großes Kapital (Sach- oder Geldvermögen) verfügt, zieht „ökonomische Renten“ ein – also Geldflüsse, denen keine eigene reale Arbeit gegenübersteht.
Die Parallele: Wie im mittelalterlichen Feudalismus arbeiten die „Untertanen“ (Lohnabhängige), um den Zehnten (Mieten und Zinsen) an die moderne Besitzklasse abzuführen.
2. Die Bodenfrage: Henry Georges „Single Tax“
Henry George identifizierte das Monopol auf Grund und Boden als Hauptursache für Armut trotz Fortschritts. Boden ist kein Produkt menschlicher Arbeit, sondern ein Geschenk der Natur.
Der Ansatz: Die Bodenwertsteuer. Nicht das Gebäude auf dem Grundstück wird besteuert, sondern allein der Wert des Standorts.
(Erweiterte Ansätze wirken auch auf die Ressourcen.)
Die Wirkung: Spekulation mit Bauland und mit Ressourcen wird unmöglich, da das Halten von ungenutztem Boden teuer wird. Die „Bodenrente“ fließt der Gemeinschaft zu, statt private Taschen zu füllen.
3. Die Geldfrage: Silvio Gesells Freiwirtschaft
Während George den Boden hauptsächlich befreien wollte, sah Silvio Gesell im auch das Geldwesen als das zweite große Privileg zum Boden. Geld hat die Eigenschaft, im Gegensatz zu Waren und Arbeit, nicht zu „verderben“. Dies erlaubt es Kapitalbesitzern (von Geldvermögen), Geld zurückzuhalten und dafür einen Zins (die Kapitalrente oder besser Geldrente) zu erzwingen. Das Verhält sich das sehr ähnlich wie mit dem Boden. Es bleibt ein Prinzip der Rentenökonomie!)
Der Ansatz: Die Umlaufsicherung oder Geldgebühr (Freigeld). Geld wird mit einer moderaten Haltegebühr belegt, damit es als reines Tauschmittel fungiert und nicht gehortet wird.
Die Wirkung: Der Zinszwang wird gebrochen. Geld und Kapital wird wieder zum Diener der Wirtschaft, statt ihr Herr zu sein.
Die Synergie: Eine befreite Marktwirtschaft (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus)
Diese drei Ansätze bilden zusammen eine schlagkräftige Einheit. Wenn man sie kombiniert, entsteht eine Natürliche Wirtschaftsordnung:
– Beseitigung leistungsloser Einkommen: Durch die Bodenwertsteuer (George) und die Umlaufsicherung (Gesell) werden die zwei größten Quellen ökonomischer Renten versiegt. Der „Meudalismus“ bricht in sich zusammen.
– Entlastung der Arbeit: Die Einnahmen aus der Bodenwertsteuer ermöglichen es, Steuern auf Arbeit und Leistung (Lohnsteuer, Gewerbesteuer) massiv zu senken oder ganz abzuschaffen.
– Stabilität und Gerechtigkeit: Ohne Spekulationsblasen am Immobilienmarkt und ohne Zinseszins-Dynamik im Geldsystem stabilisiert sich die Wirtschaft von selbst.
Fazit:
Meudalismus ist der Zustand, in dem wir uns befinden. Die Freiwirtschaft und Henry Georges Bodenreform sind die Werkzeuge, um diesen Zustand zu überwinden. Gemeinsam bieten alle drei einen Weg zu einer Marktwirtschaft ohne Kapitalismus (also ohne Privilegien oder ökonomischen Renten), die ihren Namen wirklich verdient: Eine Ordnung, in der Leistung wirklich zählt und Eigentum nicht länger zur Ausbeutung verpflichtet.


