Eine Laudatio, die nicht ausgesprochen wurde. (und daher hier schriftlich nachgereicht wird)
Im März 2023 erschien in der Freien Presse ein Artikel mit dem Titel „Pazifist Dirk Zöllner: Unter den Rädern der Kriegslogik?“. Darin geht es um seine Kolumne „Rock und Frieden“, in der das berühmte Kurt-Tucholsky-Zitat von 1931 „Soldaten sind Mörder“ thematisiert wird.
Der Musiker Dirk Zöllner hat sich in den letzten Jahren mehrmals öffentlich zum Thema Frieden, Pazifismus und Krieg geäußert. Er positioniert sich dabei klar als jemand, der traditionell pazifistische Haltungen vertritt. Musikalisch gibt es bei ihm und Die Zöllner Songs, die Krieg und Frieden thematisieren, z. B. „Krieg“ oder „Idylle im Krieg“. Auch „Du bist nicht der Krieg“ wird oft als sehr emotional und aktuell wahrgenommen.
Er selbst beschreibt sich als lebensfroh, hungrig, zweifelnd und nachdenkend – passend zu einem Künstler, der seine pazifistischen Ideale nicht einfach über Bord wirft, aber die Härte der Realität spürt.
Er gilt als überzeugter Pazifist mit ostdeutschen Wurzeln, der Frieden als zentrales Lebens- und Kunstthema sieht. Seit 2022 äußert er sich aber auch frustriert darüber, wie schnell pazifistische Positionen in Deutschland marginalisiert werden und wie die Kriegslogik dominiert. Er plädiert für Diplomatie, Waffenstillstand und echte Friedenslösungen, ohne dabei irgendetwas zu verharmlosen.
Dirk Zöllner war Erstunterzeichner des Berliner Appells (eine Initiative für Friedensverhandlungen und gegen weitere Eskalation im Ukraine-Krieg, oft mit Sahra Wagenknecht und der „Sammlung“ assoziiert). Bei einer entsprechenden Friedensdemonstration 2023 in Berlin trat er als Unterstützer auf. Die Veranstalter verurteilten den russischen Einmarsch, forderten aber gleichzeitig Kritik an der NATO und Diplomatie statt weiterer Waffenlieferungen.
In einem ausführlichen Interview bei den NachDenkSeiten sagte er sinngemäß: „Ich habe gesät, reichlich gegossen. Nun darf ich anscheinend ernten.“ Das klingt nach einer resignativen oder bitteren Bilanz – als jemand, der jahrzehntelang für Frieden und gegen Militarismus eingetreten ist (schon in DDR-Zeiten und danach), nun aber in einer Gesellschaft lebt, in der Pazifismus als naiv oder sogar gefährlich gilt. Und Pazifismus auch als Lumpenpazifismus von höchsten Stellen diskretiert wird.

Zur Zeit tourt er mit weiteren bekannten Musikern mit Balladenlandzeit (Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit) durchs Land. So gastierte er am 31.Januar im Freiberger Tivoli. Gelegenheit für den Stützpunkt Sachsen spontan gemeinsam mit Freunden diesem Konzert beizuwohnen.
Balladenlandzeit vereint zahlreiche vor allem dem ostdeutschen Publikum bekannte Balladen von Künstlern der DDR. Neben allbekannten auch zahlreiche Lieder, welche ob ihres Inhalts oder der Geschichte der erschaffenden Künstler oft nur kurz gespielt wurden und dann Unerwünscht waren.
Titel, welche auch heute wieder sehr aktuell erscheinen.
In der dem Konzert anschließenden Autogrammstunde war es dann möglich, dem Künstler als Dank für sein Eintreten für den Frieden eine weiße Friedensfahne mit einer aus einem Herzen kommenden Friedenstaube zu überreichen. Verbunden mit einem der Spontanität der Aktion geschuldeten, kurzen, aber dennoch herzlichen „Danke für Dein Eintreten für den Frieden“
Diesen Dank etwas ausführlicher darzubringen möchten wir hier mit dieser „Laudatio“ nachholen.
Lieber Dirk, liebe Musiker, liebe Freunde
an diesem besonderen Abend, wo deine, eure Lieder uns wieder einmal viel Freude bereitet haben und nah ans Herz gegangen sind – Lieder, die von mehr als nur unserer gemeinsamen Geschichte erzählen –, wollten wir dir etwas schenken, das mehr ist als nur Stoff und Farbe.
Wir, die HUMANwirtschaftler aus Sachsen, übergeben dir diese Friedensfahne. Weiß wie ein unbeschriebenes Blatt, wie ein Neuanfang, ein weiß welches dennoch alle Farben der Welt vereint. Darauf thront unsere Friedenstaube – nicht irgendeine, sondern die, die aus dem Herzen geboren wurde. Denn wahrer Friede kommt immer aus dem Herzen. Diese Friedenstaube ist eingebettet in ein Herz, gebildet durch eine geöffnete, wasserblaue Hand und eine von oben umschließende liegende grüne 3. Diese steht für die Dreiheit von Mensch, Verstand und unsere Erde. Die Flügel weit offen – bereit zum Flug, zum Brückenbauen, zum Frieden bringen.
Du hast über Jahrzehnte nicht nur Lieder geschrieben, sondern auch Haltung gelebt. Gelebt für Frieden der keine Naivität ist, sondern der einzig logische Weg. Für Verständigung, für ein Miteinander jenseits von Hass und Waffen. Du hast den Mut gehabt, laut zu sagen: „Mein Herz schlägt für Deserteure – für die russischen und für die ukrainischen Kriegsverweigerer.“ Du hast Pazifismus nicht als Mode getragen, sondern als Lebensprinzip. Und du hast es ausgehalten, dass dieser Begriff heute oft verlacht oder zum Schimpfwort wird.
Wir teilen auch deine Sehnsucht nach einem Ende des „Gezänks von Geld- und Machtmenschen“
Unser gegenwärtiges, auf Zins und Zinseszins beruhendes Geldsystem legt nach unserer humanwirtschaftlichen Ansicht den Grund für dieses „Gezänk“, welches zu den Kriegen führt welche wir Friedensmenschen ablehnen.
„Ich habe gesät, reichlich gegossen. Nun darf ich anscheinend ernten.“ – diese Worte hallen nach, und wir wollen dir sagen: Diese Ernte ist nicht nur Bitterkeit. Sie ist auch Gemeinschaft. Sie ist Mensch, wie wir, die deine Stimme hören und mittragen.
Genau deshalb überreichen wir dir – stellvertretend für alle, die hier mit uns fühlen – diese Friedensfahne. Sie ist kein großes politisches Statement, sondern ein kleines, stilles Zeichen
Diese Fahne ist unser kleines Zeichen dafür: Wir stehen mit dir zusammen für diese Haltung, zum Frieden. Möge sie dich auf Tourneen, in Probenräumen, wo auch immer und stillen Momenten erinnern – dass die Taube fliegt, weil viele Hände sie tragen. Dass die Hand offen bleibt, die Drei leuchtet und dass Frieden kein Traum ist, sondern etwas, das wir gemeinsam bauen können.
Möge diese Fahne dich auf deinen weiteren Wegen begleiten – als Erinnerung daran, dass du nicht allein bist. Dass es viele gibt, die deine Ernte mit dir teilen wollen: eine Ernte aus mehr Verständnis, mehr Dialog und hoffentlich bald mehr Frieden.
Danke, Dirk Zöllner, für deine Stimme in einer lauten Welt. Danke fürs Nicht-Aufgeben. Und danke, dass du uns erlaubst, ein Stück deines Wegs mit dieser Fahne zu begleiten.
In Frieden und mit großer Hochachtung,
die HUMANwirtschaftler


