4. Februar 2026

Privatier und Rentier unter der Lupe

Ein Beitrag von “Die Aufklärung” — übernommen aus Facebook


Privatier und Rentier unter der Lupe

Privatier vs. Rentier – Warum dieser Unterschied wichtig ist

In der öffentlichen Debatte über Kapitalismus tauchen nicht nur Begriffe wie Arbeiter oder Kapitalist, sondern auch „Privatier“ und „Rentier“ immer wieder auf. Beide leben von Vermögen und werden daher oft vereinfacht als Kapitalisten gebrandmarkt – aber die Art des Einkommens und die gesellschaftliche Wirkung unterscheiden sich grundlegend. Wer das nicht versteht, läuft Gefahr, falsche Feindbilder zu bekämpfen.

Bei dieser Unterteilung ist zu beachten, dass die Grenzen zwischen einen Privatier und Rentier fließend sind und daherim Anschluss auf mögliche Lösungsansätze angespielt wird.

Was ist ein Privatier?

Ein Privatier ist jemand, der nicht mehr berufstätig ist, weil er über genügend Vermögen verfügt, um davon zu leben. Er oder sie hat also eine Leistung aus Arbeit erbracht und kann nun vom vorher erarbeiteten Ersparnissen oder Vermögen leben.

Einkommen stammt typischerweise aus Kapitalerträgen, Zinsen, Dividenden (die in der Regel aus Investitionen in die Realwirtschaft stammen) oder dem Verbrauch des eigenen Vermögens.

Der Begriff ist eher neutral und beschreibt einen Lebensstil: „lebt von seinem Privatvermögen“.

Problematisch wird es nur, wenn dieses Vermögen aus Rentenquellen stammt – dazu gleich mehr.

Was ist ein Rentier?

Ein Rentier erzielt leistungslose Einkommen aus Rentenquellen wie Bodenrenten, Monopolrenten oder Kapitalrenten. Es hat also selber keine eigene Arbeitsleistung erbracht und bezieht sein Einkommen aus seinem Eigentum.

Er profitiert nicht von produktiver Arbeit, sondern von Verknappung und Privilegien. (z.B. künstliche Verknappung von Geld (Geldhortung) oder Besitz von knappen Ressourcen)

Der Begriff wird oft kritisch verwendet, weil er eine ökonomische Klasse bezeichnet, die vom Besitz lebt – und nicht von Leistung.

Rentiers sind das Kernproblem des Kapitalismus, weil sie Ressourcen abschöpfen, Märkte verteuern und Innovation hemmen. (Jedoch sollen Rentiers als Menschen hier nicht angefeindet werden. Es sind lediglich Nutznießer von Fehlern in der Wirtschaftsordnung. Jeder würde diese Fehler nutzen, wenn man es selber könnte.)

Kurz gesagt

Privatier = lebt von eigenem Vermögen, ohne zu arbeiten (Lebensstil-Begriff).

Rentier = lebt von leistungslosem Einkommen aus Privilegien und Knappheit (ökonomisch-politischer Begriff).

Marxismus vs. Freiwirtschaft – Wer sieht den Unterschied?

Wenn es um Kapitalismuskritik geht, unterscheiden sich die Ansätze von Marxismus und Freiwirtschaft grundlegend – vor allem darin, wie sie die Nutznießer des Systems bewerten.

Die marxistische Sicht

Der Marxismus teilt die Gesellschaft in zwei große Klassen:

– Arbeiterklasse (Proletariat)

– Kapitalistenklasse (Bourgeoisie)

Kapitalist ist nach dieser Logik jeder, der Produktionsmittel besitzt – egal ob aktiv unternehmerisch tätig oder passiv Vermögen verwaltet. Eine Differenzierung zwischen Privatier (lebt von eigenem Vermögen) und Rentier (lebt von leistungslosem Einkommen aus Privilegien) spielt keine Rolle. Beide gelten als Teil der herrschenden Klasse und somit als Kapitalisten.

Die freiwirtschaftliche Sicht (Silvio Gesell)

Die Freiwirtschaft setzt an einem anderen Punkt an:

– Sie kritisiert vor allem leistungslose Einkommen (ökonomische Renten), die durch künstliche Verknappung entstehen – etwa Bodenrenten, Monopolrenten oder Zinsstrukturen.

Sie unterscheidet klar:

Rentiers sind schädlich, weil sie von Privilegien und Knappheit leben.

Privatiers sind weniger problematisch, solange ihr Einkommen nicht aus solchen Mechanismen stammt.

Ziel ist nicht die pauschale Enteignung, sondern die Neutralisierung von Rentenquellen – zum Beispiel durch Bodenwertsteuer oder umlaufgesichertes Geld.

Fazit

Die Freiwirtschaft sieht die Nutznießer des Kapitalismus differenzierter als der Marxismus. Während Marxismus alle Eigentümer von Produktionsmitteln in einen Block stellt, fragt die Freiwirtschaft:

“Lebt jemand von produktiver Leistung oder von künstlicher Verknappung?”

Diese Perspektive macht ihre Kritik präziser – und zukunftsfähiger.

Wer ist schädlicher für die Gesellschaft?

Rentier:

Lebt von Einkommen aus Knappheit und Privilegien. (Geldhortung, Rent-Seeking, Rent-Grabbing, usw.)

Entzieht der Allgemeinheit Ressourcen, verteuert Märkte, hemmt Innovation.

Ist privater (privare = rauben) Nutznießer von der Allgemeinheit geschaffener Werte.

→ Sehr schädlich, Kernproblem des Kapitalismus.

Privatier:

Lebt von eigenem Vermögen, oft aus früherer Arbeit oder Unternehmensverkauf.

Neutral bis leicht problematisch, je nach Herkunft des Vermögens.

→ Weniger schädlich, solange keine Rentenmechanismen genutzt werden.

Endfazit:

Der Rentier ist deutlich schädlicher für die Gesellschaft als der Privatier. Wer Kapitalismus überwinden will, muss die Rentenlogik bekämpfen – nicht pauschal Eigentum.

Pof. Dirk Löhr liefert dafür einen entscheiden Beitrag mit seinem Buch “Prinzip: Rentenökonomie”. https://www.metropolis-verlag.de/Prinzip…/1013/book.do

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