14. Juli 2024

Autoritätsproblem?

Nicht selten wird mir unterstellt, ich hätte ein Autoritätsproblem. Ich suche in meinen Texten die “Rebellion gegen die staatliche Autorität”. Ich möchte mir diese Meinung etwas näher anschauen und differenzieren.

Autorität und Autoritätsakzeptanz ist m. E. zunächst wichtig in einer notwendigermaßen komplexen hierarchischen sozialen Struktur. Ich bin der Meinung, dass die Anerkennung von Autoritäten etwas sehr Wichtiges ist und eine wesentliche Kompetenz darstellt, die ein Mensch im Laufes seines Lebens erlernen muss.

Lehrer, Ärzte, Professoren, Politiker sollten eine Souveränität und damit Autorität ausstrahlen, die die ihnen überantworteten Mitmenschen dazu befähigt, sich ihrer Führung, ihrer Verantwortung anzuvertrauen.

Wahre Autorität fällt nicht vom Himmel. Sie ist mehr als eine despotische Obrigkeit, sie muss sich erarbeitet und entwickelt werden. Sie geht einher mit Charaktereigenschaften wie Integrität, Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit, Sachverstand und Beziehungsfähigkeit. Wahre Autorität befiehlt nicht (wie in totalen Institutionen wie der Armee), sondern führt menschlich und intelligent, vor allen: gleichwürdig.

Wahre Autorität fordert keine Gefolgschaft ein, sondern überzeugt durch menschliche und fachliche Reife. Auch ein “Nein” kann eine wahrhaft autoritative Person aushalten. Wahre, also positive Autorität überzeugt durch Vernunft, Diskurs, Kritikfähigkeit und Verantwortlichkeit.

Der Schüler sollte seinen Lehrer als eine Autorität erleben und ansehen, denn dadurch wächst seine eigene innere Autorität, die er im Außen vorfindet und die er oder sie im Inneren entwickeln kann. Ein Chef darf Anweisungen geben, denn er ist für den Erfolg und die Bilanzierung des Geschäftes zuständig und verantwortlich.

Wo Autoritäten also in der vollen Verantwortlichkeit ihres Verantwortungsbereiches stehen, haben sie mit Recht eine Führungsposition inne. Ein Lehrer oder Eltern beispielsweise mit wahrer Autorität können auch mit Widersprüchen umgehen, Kinder mit Liebe und Herz führen, und fordern nicht unbedingt den totalen Gehorsam ein. Sie führen, ohne das Kind oder den Anderen in seiner Integrität und Würde zu verletzen. Das alles sind positive Aspekte von Autorität. Wer sich in diesen überschaubaren und klar definierten Strukturen durch bloße Rebellion durchsetzen möchte, hat gewiss ein Problem mit der Anerkennung wahrer Autorität und wird sich nur schwerlich selbst zu einer souveränen Person entwickeln können.

Die andere Seite eines “Autoritätsproblems” ist die Angst, sich verantwortungslosen Obrigkeiten zu widersetzen, wenn deren “Befehle” bzw. deren Despotie die Integrität und Würde des Menschen verletzen. Die DDR-Bürger hatten 89 kein Problem damit, oder hatten 17 Millionen Menschen ein Autoritätsproblem?

Mitnichten! Ich sehe zwei Seiten eines “Autoritätsproblems”: Entweder im Widersetzen einer natürlichen Autorität, die diese Position durch Vertrauenswürdigkeit und Sachverstand rechtfertigt. Ohne diese Art natürlicher Autorität, die auch Verantwortlichkeiten in Steuerungs- und Lenkungsprozessen regelt, geht es nun mal nicht!

Die andere Seite zeigt sich in der Angst, Despoten zu widersprechen, wo es fällig ist, um einen Missstand zu beenden. Denn auch ein “Nein”, eine Verweigerung kann ein Mittel sein, bei einer kollektiven Verführung durch Angst und Druck von nicht vertrauenswürdigen, nicht legitimierten Obrigkeiten eben auch nicht mitzumachen.

1939 war es aus meiner Sicht ein kollektives Autoritätsproblem von Millionen von Deutschen, einem Mann hinterherzulaufen, der größenwahnsinnige und menschenverachtende Versprechungen abgibt.

Genauso haben für mich aber all diejenigen kein Autoritätsproblem, die sich den apodiktischen und nicht hinterfragbaren Heilsversprechen von Pharma-Lobbyisten verweigern. An der richtigen Stelle “Nein” zu sagen halte ich für wesentlich. Im Grunde spürt jeder Mensch, wie integer jemand ist, der Führung für sich beansprucht. Im Grunde geht es um den menschlichen Umgang mit Autorität und um die Unterscheidungsfähigkeit: Was ist legitime Autorität und verantwortliche Führung, der man sich anvertrauen sollte und muss und was ist bloße angsterfüllte Unterwürfigkeit und Obrigkeitshörigkeit Herrschern gegenüber aus Angst und Gruppendruck.

Der Umgang mit Autoritäten hat also beide Seiten: Die Manipulative Seite der Despotie, des Herrschens und der Verführung und die wahrhaft menschliche Seite in Würde, Sachverstand und Verantwortung!

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Ein Gedanke zu “Autoritätsproblem?

  1. Autorität kommt von Autor – dem Urheber! Von was ist er der Urheber?
    Möchte ich seine Urheberschaft akzeptieren?
    Ist er nur ein Ausführender, der sich als Urheber darstellt?
    Ein Lehrer der lügt, ein Arzt der vergiftet, ein Politiker der fremden Herren dient?

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