30. November 2022

Das Paradox mit der „Toleranz“

Ich habe schon seit langem das Gefühl, dass, je mehr von „Toleranz“ geschwafelt wird, umso intoleranter unsere Gesellschaft wird. Warum scheint das so zu sein?

Zunächst – als das „mehr Toleranz“-Polit-Mantra begann, Anfang der neunziger Jahre, habe ich mich und andere oft gefragt: Was sollen wir denn tolerieren?

Etwa “mehr Krieg”, “mehr Ungerechtigkeit”, “mehr Diktatur von oben”? Es war auffällig, dass die recht hohle Formel um sich geworfen wurde und um sich griff, ohne diese aber inhaltlich diskutieren zu dürfen. Wenn jemand wie ich fragen stellte, galt er per se als “intoleranter Renitenter”, der sich dem „Fortschritt und der Globalisierung“ in den Weg stellt.

Abgesehen davon, dass der Begriff aus der Technik kommt und einfach nur meint, dass zwischen bestimmten Parametern Spielräume gedacht werden, ohne die ein Zusammenspiel nicht funktionieren kann. Zum Beispiel hat jedes Radlager am Auto einen Toleranzbereich, ohne den sich das Lager nicht oder mit sehr viel Reibung bewegen würde und das Lager bald kaputt gehen würde. Also ist Toleranz wichtig, muss jedoch klar und deutlich definiert werden.

Ein Radlager mit „grenzenloser Toleranz“ wünsche ich keinem Autofahrer (Viel Spaß beim Fahren:-). Toleranz ist also durch ihre Grenzen definiert, nur dann macht sie Sinn!

Schnell wurde mir klar, dass diese Formel nichts weiter als ein suggestives Politmantra im Dienst der Globalisierung des Kapitalismus ist, der ohne die gesinnungsmäßige „Eichung“ und Entmündigung der Menschen gar nicht funktionieren würde. Der Mensch muss in diesem Sinne aus seinen kulturellen Bezügen „befreit“ werden, muss verunsichert werden, damit er globales Nutzelement der neoliberalen Kapitalverwertung werden kann. (Siehe auch mein Artikel von 2001 in der Zeitschrift „Raum&Zeit“ Nr. 113)

Beim Thema „Gender“ sehe ich Ähnliches. Im Namen der „Toleranz“ werden Schulklassen und sogar Kitakinder dazu angehalten, sich mit den Praktiken homosexueller Paare auseinanderzusetzen. Vor zwei Jahren habe ich von einem Skandal gehört, bei dem in Österreich 8-Klässler genötigt wurden, sich in einem Sex-Theater die Praktiken von Schwulen anzuschauen. Die Hälfte der Klasse ist damals kollabiert und musste im Krankenhaus behandelt werden. Eltern liefen Sturm.

Wir sehen also, vor lauter Toleranzfanatismus entsteht eine neue Intoleranz. Niemand darf mehr „nein“ sagen, ohne als intolerant und „weltfremd“ abgestempelt zu werden. Es ist schlimm und nur schwer auszuhalten, wie kollektiv das Intimste der Menschen zur öffentliche Sache erklärt wird, für die man sich zu interessieren hat. Ich frage mich: Welche Funktion hat das, in wessen Dienst steht die Sexualisierung unserer Gesellschaft?

Im letzten Jahr war ich auf dem Alexanderplatz spazieren. Plötzlich sehe ich aus der U-Bahn eine Menschengruppe mit Plakaten herauskommen. Auf einem stand: „Ich mag`s gern von hinten, was dagegen?“ Der junge Mann bemerkte meinen schockierten Blick. Ich musste mich dann noch rechtfertigen, warum ich mich angewidert wegdrehte.

Wem das also nicht interessiert, welche sexuellen Vorlieben jemand anderes hat, der wird schnell geächtet. Ich entgegnete dem jungen Mann nur: „Mir ist Ihre sexuelle Ausrichtung scheißegal! Ist das tolerant genug?“ Natürlich war diese Antwort falsch im Sinne der Gender-Ideologen. Es fiel der Ausdruck „Nazi“, während ich langsam das Weite suchte. Es kann unter den Toleranz-Ideologen schnell ungemütlich werden, wenn du nicht ihrer Meinung bist!

Ich selbst habe auch schwule Freunde, gute Freunde, mit denen ich in den Achziger Jahren unser Verhältnis ganz natürlich geklärt habe. Ich habe einfach klargemacht, wo meine Grenzen sind und wir sind seit 40 Jahren befreundet. Wir verstehen uns gut, einfach, weil wir unsere Grenzen kommuniziert haben.

In einem Klima, in dem ich das nicht mehr darf, ist die Wirkung genau der erklärten Absicht entgegen gerichtet. Die Menschen grenzen sich immer stärker ab, können das Geschwafel und das zugemutete Kopfkino nicht mehr ertragen.

Es ist doch so. Wenn ich mir nicht ansehen möchte, wie sich ein homosexuelles Paar küsst (weil mich das anwidert), dann wird mir das als „homophob“ ausgelegt. Das ist ungefähr so, als wenn ich einem Vegetarier unterstelle, er wäre „fleischophob“. Warum ist ein „Nein“ einmal erlaubt und einmal verboten? Wer möchte hier und wofür den kollektiven Mind der Menschen manipulieren?

Bei dieser ganzen Ideologisierung fällt mir auf, dass die ReGIERung permanent von „Toleranz“ schwafelt und dabei selbst höchst diktatorisch definiert, was man nun unbedingt zu tolerieren hat und was unbedingt nicht.

Die Toleranzideologie entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine Manipulationstechnik, die die Polarisierung, wie auf vielen anderen gesellschaftlichen Ebenen, vorantreibt, anstatt abzubauen. Der Vorteil (für wen?): In einer polarisierten und fragmentierten Gesellschaft kann der Staat dann ständig als Moralwächter und Oberlehrer auftreten!

Ich meine, Toleranz entsteht immer aus dem Inneren, im Einklang mit den individuellen Veranlagungen, Motiven, Erfahrungen und Interessen. Als ideologische „Anweisung“ aber wird “Toleranz” ins Gegenteil verkehrt, weil sie das Individuelle nicht berücksichtigt. Stattdessen wird von oben formelhaft diktiert, was man zu denken, zu fühlen und zu meinen hat – immer auf der Grundlage der “Toleranz”! Die ReGIERung behandelt die Menschen mittlerweile wie Kinder, die ständig zu belehren sind, was sie denken und fühlen dürfen, und was nicht.

Toleranz kann man nicht „anordnen“, ohne dabei selbst höchst intolerant zu werden! Die, die am lautesten „Toleranz“ krakeelen, treten immer mehr als fanatische Ideologen auf, die in das Intimste des Menschen reglementierend vordringen.

Was macht es mit unserer Gesellschaft, wenn die Grenze zwischen dem individuellen Intimen und der Öffentlichkeit verschwimmt? Wenn über-griffig bei Kindern und Jugendlichen in ihr Sexualleben vorgedrungen wird, im Namen der “Aufklärung” und der “Vielfalt”, das gerade am Entstehen ist? Wenn sich jeder für seine Motive und Bedürfnisse im Sinne des ideologisch Erlaubten zu rechtfertigen hat? Wenn aus dem eigenen Gefühlsleben eine Standard-Ideologie wird? Es entsteht eine Tyrannei nicht nur im Sinne des erlaubten Denkens, sondern auch des erlaubten und verbotenen Fühlens.

Als freier Mensch werde ich es mir nicht nehmen lassen, zu meinen Gefühlen und Veranlagungen zu stehen, ohne daraus eine Ideologie für andere zu machen. Der Staat tritt immer aggressiver als moralisierender Oberlehrer auf, der bestimmt, wie der „neue Mensch“ zu sein hat. Es ist eine schleichende Kollektivierung und Vermassung im Gange – im Namen der Toleranz. Menschen werden gebrochen, gegen ihre Wahrnehmungen und Empfindungen werden sie immer öfter gezwungen Dinge zu tun, die sie in ihrer Eigenverantwortlichkeit nicht tun würden. Natürlich immer im Namen des „Schutzes“, des „Fortschritts“, der „Freiheit“, der „Solidarität“, der „Toleranz“. Im Namen des Friedens werden Waffen geliefert, im Namen der Gesundheit werden Menschen wie Material der Pharmalobby behandelt. Im Namen der „Freiheit“ dürfen wir immer weniger wir selbst sein – Individuen, mit einem eigenen Gefühl für soziale Verantwortung ausgestattet.

Je mehr die Global-Funktionäre den Menschen zum „Weltmenschen“ transformieren wollen, umso mehr wird ihm Individualität, Kultur und Menschlichkeit abgesprochen. Umso mehr greift Infantilisierung und Sexualisierung um sich.

Es gilt also vorsichtig zu sein, wenn uns die medialen Oberlehrer in hypnotisierender Dauerschleife erzählen wollen, was „richtig“ und was „falsch“ zu sein hat. Denn selbst die besten Begriffe mit dem schönsten Klang werden mittlerweile von ihnen missbraucht, um den Menschen in seinem Fühlen und Denken unbemerkt zu konditionieren. Dafür braucht die neue Gesinnungsdiktatur tatsächlich „tolerante“ Menschen, die der Obrigkeit ungefragt, blind und unreflektiert folgen.

Wenn wir erkannt haben, wie wir manipuliert und indoktriniert werden, können wir bewusst damit umgehen. Zumindest lassen wir uns dann nicht mehr ein X für ein U vormachen. Und das ist doch auch schon etwas. Trauen Sie Ihrer eigenen Wahrnehmung!

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