20. April 2024

Soldaten sind Mörder

Dieser Ausspruch stammt von Kurt Tucholsky, aus dem Anfang der 30 ziger Jahre. Wir kennen ihn wohl (fast) alle von der Friedensbewegung der 60ziger/70ziger Jahre. Der deutsche Musiker Dirk Zöllner hat sich in einem Facebookpost diesen Satz zur Brust genommen und konsequent und pazifistisch weitergedacht. Promt gibt es mediale Dresche.

In einer Kolumne für die Freie Presse in Chemnitz (Online leider nur hinter der Bezahlschranke) schreibt er: (hier von seiner Facebookseite zitiert)

Rock für den Frieden – Dirk Zöllner über lumpigen Pazifismus

Im Herbst 89 habe ich auf den Bühnen der DDR die Resolution der Rockmusiker verlesen. Es ging um die Erneuerung des alten Systems. Also im Grunde genommen um Sanierung. Einen Teil der Band hat’s genervt, die wollten einfach nur Musik machen. Vom Publikum aber, wurde jedes Wort aufgesaugt und nach den Konzerten gab es endlose Diskussionen. Ich erinnere mich auch an die Zweifel, die mich beim Verlesen überkamen, denn das Thema fand ja keinen Widerhall in den ostdeutschen Medien. Ich glaubte an das, was ich da unterschrieben hatte, aber befand ich mich damit vielleicht außerhalb der Gesellschaft? Nun habe ich das Manifest für den Frieden unterschrieben und ich werbe für meine Überzeugungen bei Facebook und auf Konzerten. Nicht viele Künstler machen das und westdeutsche so gut wie gar nicht. Im Osten gibt es wieder „Rock für den Frieden“ und ich verkünde meine Ängste als Ansagen zu passenden Titeln. „Käfer auf’m Blatt“, ein pazifistisches Lied aus den Tagen des Kalten Krieges, erfährt nach 35 Jahren wieder Bedeutung. Auch „Neue Wege“, dessen Text ich um 2009, im gefühlten Endstadium des Kapitalismus schrieb. „Bleifrei“, mit einem Text von Werner Karma, der zu Zeiten der Flüchtlingskrise entstand.

„Soldaten sind Mörder!“, schrieb Kurt Tucholsky 1931 in einer Glosse für „Die Weltbühne“. Dieser Satz wurde eine Parole der Friedensbewegung. Viele Gerichtsverfahren sind darüber geführt worden, doch 1995 entschied das Bundesverfassungsgericht die Zulässigkeit dieser Zitatverwendung. Obwohl ich ein pazifistischer Lump bin, habe ich doch Probleme mit betreffender Aussage, denn so ein Soldat hat vielleicht keinen anderen Job gefunden, mit dem er die Familie ernähren kann. Und am Ende der Vernunft gibt es sowieso keine Wahl, da muss der einfache Mann für das Gezänk der Geld- und Machtmenschen herhalten. Für Volk und Vaterland, wird behauptet. Ich bin etwas heißgelaufen in einer Nacht und habe statt des Soldaten, den Vorstand der Rüstungskonzerne und die Politiker, die deren Produktpalette für den Export zulassen, bei Facebook als Mörder bezeichnet. Und all die Befürworter der Waffenlieferungen als Beihelfer. Dabei habe ich meinen friedlich schlafenden Sohn betrachtet und eine Träne tropfte auf die Tastatur. Anderntags hagelt es eine Flut von Empörungen, ich werde entfreundet und ein Ex-Freund droht sogar mit rechtlichen Schritten. Ich selbst vertraue auf die Kompetenz des Bundesverfassungsgerichtes.

Love & Peace
Euer Dirk

Er erweitert den Satz Tucholskys. Die urprüngliche Aussage wird zu recht reduziert. Der Soldat als solches ist nicht der primäre Täter, auch wenn er die Waffe in der Hand und zum Einsatz bereit hält und letztlich schiessen muss. Der Soldat wird angestiftet. ( und wenn ich jetzt miterleben muss, wo z.B. die Bundeswehr neue Rekruten sucht… (Förderschule!)) Die berühmten Leute im Hintergrund sind die wahren Täter.

Die wahren Mörder sind die Produzenten der Waffen. Waffen werden nun einmal zum Töten produziert. Die berühme Ausrede: Zur Verteidigung gegen den bösen Anderen.
Die wahren Mörder sind die Politiker, welche im Kadavergehorsam den Befehlen der Geldherren gehorchen und deren Ziele mit allen Mitteln gegen über den Menschen durchsetzen. Für Volk und Vaterland lautet die Parole.
Die wahren Mörder sind all jene, welche an den Waffen, am Tod und dem Leiden der Menschen verdienen, und das nicht zu gering. Der Krieg soll manchem ja bekommen wie eine Badekur.

Genauso als Mörder in diesem Sinne müssen sich aber auch jene bezeichnen lassen, welche den Ruf nach mehr Waffen unter die Menschen bringen, lautstark selber danach rufen und fordern, welche sich diesenRuf und diese Forderung zu eigen machen oder auch nur gedankenlos in den Ruf einstimmen. Und dann oft scheinheilig die Frage nach schieben: Was machst du denn, wenn jemand dein Haus überfällt, deine Familie vergewaltigt und umbringen will? Scheinheilig, Ja. Ablenken von der eigenen Angst sich zu entscheiden, vor der eigenen Feigheit eine Entscheidung treffen zumüssen. Den Wunsch verbergend, blos nicht selber in eine Handlung gezwungen zu werden, das Andere es schon richten. Gehorchen ist einfach, der leichtere Weg. Nur nicht selber nachdenken.

Die für die Kriegswaffenbegründung gestellte Frage ist einfach eine Frage nach dem Handeln gegen über kriminellen Handlungen. In den meisten Fällen werden solche Straftaten von Nachbarn ausgeführt (ok, wenn man den Begriff Nachbar etwas erweitert) Sie begründen aber keine kriegerischen Handlungen.

Auch mir wurde diese Frage gestellt. 1982, nach der Musterung und dem Bekanntwerden meiner Kriegsdienstverweigerung, meiner Entscheidung als Bausoldat meinen “Dienst” zu leisten. Den mit der Frage gewünschten Zusammenhang konnte ich einfach beim besten Willen nicht herstellen. Für den gläubigen Christen ist es da leicht, er kann seinen Jesus zitieren: Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die Linke hin. Zufrieden wird der Frager damit sicher nicht sein, und der, der es ziterte, sicher auch nicht.

Na denn,
Denken sie einmal darüber nach –
einen schönen Tag noch!
HH

Sag es weiter, teile es!

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