
C − W = (r − g) · K – die Formel der Gerechtigkeit.
Mathematik ist dem Menschen angeboren. Im Gegensatz zu lesen und schreiben, welches kulturelle Errungenschaften sind. Aber ehrlich, spätestens wenn Variablen und Konstanten in einer Gleichung auftauchen, ist es bei den meisten mit der Mathe auch vorbei.
Frage:
Formeln wie A² mal B² gleich C² gehen ja noch. Das einsteinsche C = m² kennt man ja auch noch vom sehen her. Aber jetzt kommt noch die Ökonomie mit einer mathematischen Formel. C − W = (r − g) · K . Klingt ja toll, aber ich verstehe da nur Bahnhof.
Antwort:
Kein Problem. Ich erkläre es Schritt für Schritt – ganz ohne Fachchinesisch.
1. Die Formel in einfachen Worten
Sie lautet: C − W = (r − g) · K
- C = was die Wirtschaft insgesamt erwirtschaftet (Einkommen)
- W = was die Arbeitnehmer als Lohn bekommen
Die linke Seite (C − W) ist also der Anteil am Kuchen, der NICHT an die Arbeiter geht – sondern an Eigentümer von Kapital (Maschinen, Firmen, Grundstücke).
Die rechte Seite sagt: Dieser Anteil ist genau so groß wie:
- (r − g) = Zinssatz minus Wirtschaftswachstum
- mal K = dem gesamten vorhandenen Kapital (Geldwert aller Vermögensgegenstände)
2. Der entscheidende Punkt: r − g
- Wenn r = g ist (Zins = Wachstum), dann ist r − g = 0.
- Dann ist auch C − W = 0 – alles Erwirtschaftete geht als Lohn an die Arbeiter. Keine Ausbeutung, keine ungerechte Umverteilung.
- Wenn aber r > g (wie heute: 3 % Zins, 0,2 % Wachstum), dann ist r − g positiv.
- Dann fließt ein Teil des Kuchens ohne eigene Leistung an die Vermögensbesitzer – einfach weil ihr Geld und ihr Boden im Wert steigen, während sie nichts dafür tun.
3. Warum ist das ungerecht?
Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten hart für 3.000 € im Monat. Gleichzeitig besitzt jemand ein Haus in Berlin, das im Wert um 5.000 € steigt – ohne einen Finger zu rühren. Diese Wertsteigerung entsteht, weil die Stadt wächst, neue Bahnen gebaut werden, andere Menschen dort arbeiten. Der Besitzer kassiert aber allein.
Genau das misst die Formel: Leistungsloses Einkommen durch Zinsen und Bodenwertsteigerungen.
4. Die zwei Ursachen dafür
- Geld kann gehortet werden – es verliert nicht an Wert, wenn es rumliegt. Dadurch bleiben die Zinsen künstlich hoch.
- Boden ist begrenzt – wenn die Nachfrage steigt, steigt der Preis, ohne dass der Besitzer etwas tut.
5. Die Lösung laut den Ökonomen
Man müsse zwei Spielregeln ändern:
- Geld so gestalten, dass es an Wert verliert, wenn es gehortet wird (z.B. durch eine kleine Gebühr auf Bargeld) – dann wird es investiert, der Zins sinkt.
- Bodenwerte besteuern oder vergemeinschaften, sodass die Gemeinschaft von den Wertsteigerungen profitiert, nicht der Zufallsbesitzer.
Dann würde r = g werden – und die Wirtschaft wäre sowohl effizient (weil Geld arbeitet) als auch gerecht (weil Leistung belohnt wird).
6. Und das mit dem Wachstumszwang?
Heute heißt es oft: „Die Wirtschaft muss immer wachsen, sonst bricht das System zusammen.“
Die Formel zeigt: Dieser Zwang kommt nur daher, dass der Zins höher ist als das Wachstum. Wenn man r = g herstellt, ist auch Nullwachstum stabil – ohne Krisen.
Kurz und bündig:
Die Formel sagt: Ungerechtigkeit ist kein Naturgesetz, sondern ein Rechenfehler im System. Man muss nur die Zins- und Bodenregeln ändern, dann stimmt die Rechnung – und alle arbeiten für ihren Lohn, nicht für fremde Zinsen.
Frage:
Geht das mit einem Beispiel zu erklären:
Antwort:
Gern – nehmen wir ein Miniatur-Land namens „Example“.
Die Ausgangslage (wie heute in Deutschland ähnlich):
- Kapitalstock K = 1.000.000 € (alle Maschinen, Firmen, Grundstücke zusammen)
- Wirtschaftswachstum g = 0,2 % (also 0,002)
- Zinssatz r = 3,0 % (also 0,03)
Schritt 1: Was erwirtschaftet die Wirtschaft insgesamt?
Das ist C (das Volkseinkommen). Bei einem Kapitalstock von 1 Mio. und einer Wachstumsrate von 0,2 % wächst die Wirtschaft um:
1.000.000 × 0,002 = 2.000 € im Jahr.
Also C = 1.002.000 € (das alte Kapital plus Neuwert).
Schritt 2: Was bekommen die Arbeiter (W)?
Die Formel sagt:
C − W = (r − g) · K
Einsetzen:
1.002.000 − W = (0,03 − 0,002) · 1.000.000
1.002.000 − W = 0,028 · 1.000.000
1.002.000 − W = 28.000 €
Also:
W = 1.002.000 − 28.000 = 974.000 €
Was bedeutet das konkret?
- Die Arbeiter erhalten 974.000 € von den erwirtschafteten 1.002.000 €.
- Die 28.000 € gehen ohne Gegenleistung an die Kapitalbesitzer (Zinsen + Grundstückswertsteigerungen).
- Das sind knapp 3 % des gesamten Kuchens – einfach weil der Zins höher ist als das Wachstum.
Jetzt stellen wir die Regeln um – auf r = g = 0,2 %
- Neuer Zins r = 0,002 (gleich wie Wachstum)
- Dann ist r − g = 0
- Die Formel wird zu:
C − W = 0 · K = 0
Also: C = W
Die Arbeiter bekommen alle 1.002.000 €.
Die Kapitalbesitzer erhalten nichts aus dem laufenden Einkommen – sie leben von echten unternehmerischen Gewinnen, nicht von automatischen Wertsteigerungen.
Der Unterschied für einen einzelnen Arbeiter:
Angenommen, es gibt 1.000 Arbeiter.
- Heute: Jeder bekommt 974.000 / 1000 = 974 € im Jahr (plus Lohn, aber der bleibt hier mal außen vor, es geht um die Zusatzverteilung).
- Nach der Reform: Jeder bekommt 1.002.000 / 1000 = 1.002 € – also 28 € mehr pro Kopf, ohne dass die Wirtschaft mehr leisten musste.
Und der Boden? Stellen Sie sich ein Grundstück vor, das von 100.000 € auf 102.000 € steigt (weil die Stadt wächst).
- Heute kassiert der Besitzer die 2.000 € allein.
- Nach der Reform würde diese Wertsteigerung entweder versteuert oder der Allgemeinheit zufließen – also z.B. für bessere Kitas oder niedrigere Mieten.
Fazit im Zahlenbeispiel:
Die Formel zeigt haargenau, wie viel den Arbeitern vorenthalten wird (28.000 €) und wodurch (weil r > g). Ändert man r auf g, verschwindet diese Ungerechtigkeit – und alle haben mehr, ohne dass jemand etwas leisten musste. Das ist der mathematische Beweis, dass es kein Naturgesetz ist, sondern eine Frage der Spielregeln.

