2. Oktober 2022

Pandemie der Getesteten

reblog mit freundlicher Erlaubnis des Autors

Daniel D. Dietze über Weggelassenes und Widersprüchliches in der „Sächsischen Zeitung“.

Erstmalig bin ich während der täglichen Lektüre der SZ-Berichterstattung zur Lage um Corona auf etwas gestoßen, das ich seit Beginn der sogenannten „Pandemie“ vermisse. Es handelt sich dabei um die Gesamtzahl der erfolgten Tests. Kritiker der Corona-Maßnahmen bemängeln zurecht die einseitige und damit unwissenschaftliche Hervorhebung der Inzidenz unter Nichtnennung der Gesamtzahl der im jeweiligen Zeitraum erfolgten Tests. Eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung der Situation ist ohne Quote jedoch unmöglich. Aus diesem Grund freue ich mich außerordentlich, dass Ulf Mallek uns diese Zahl im Beitrag „Erst 22 Omikron-Fälle im Landkreis“ in der Großenhainer Lokalausgabe der SZ vom 14. Januar 2022 präsentiert:

„Von den 26.323 in den vergangen sieben Tagen [im Landkreis Meißen] durchgeführten Schnelltest waren 175 positiv. Dies entspricht einer Quote von 0,7 Prozent“

Warum Ulf Mallek uns diese Zahlen, die Positivquote, bisher vorenthalten hatte? Wer weiß. Er verrät es uns leider nicht. Genauso wenig, wie er uns verrät, warum er sie plötzlich nennt. Neu sind sie jedenfalls nicht. Zumindest nicht dem Robert-Koch-Institut. Dort sind sie auch einsehbar und ich habe etwas getan, das zwar an sich keine Zauberei ist, das aber weder das RKI noch die Redaktion der SZ bisher in der Form geschafft haben. Ich habe diese Daten in einem umfassenden und übersichtlichen Diagramm anschaulich gemacht. Genießen Sie den Ausblick:

Was können wir an dem Diagramm ablesen? Es wird sichtbar, dass die Anzahl der Positivtestungen (rote Balken) just steigt, wenn – Überraschung! – die Gesamtzahl der Tests (blaue Balken) steigt. Schicke ich jeden Tag mehr Leute raus zum Rehe-Zählen, finde ich schließlich jeden Tag mehr Rehe. Darüber hinaus wird aber im Diagramm noch ein Zusammenhang der Gesamttestzahlen (blaue Balken) mit der Positivquote (gelbe Linie) deutlich. Diese steigt und sinkt überraschenderweise ebenfalls mit der Anzahl der Tests, was mehr als fragwürdig, aber durchaus beantwortbar ist. Auf jeden durchgeführten Schnelltest mit negativem Ergebnis folgt genau nichts. Auf jedes positive Ergebnis folgt ein PCR-Test, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch positiv ausfällt und erneut auf das Konto der Positivtestungen geht. Aus 1 mach 2.
Halten wir fest: die Testzahlen sagen mehr über das Testgeschehen aus, als über irgendein Infektionsgeschehen. Somit machen die politisch Verantwortlichen ihre Entscheidungen nicht von einem Naturereignis abhängig, sondern von politisch, also selbst beeinflussbaren Umständen. Auch die Anzahl der Intensiv-Betten ist innerhalb der letzten Jahre, einschließlich der letzten zwei Jahre(!) ökonomisch sowie politisch beabsichtigt gesenkt worden. Und Sie dient jetzt ironischerweise als Drohkulisse für politische Entscheidungen und Maßstab für Maßnahmen.
Aber etwas erfreuliches können wir doch noch festhalten, zumindest für den Kreis Meißen. Noch in der ersten Kalenderwoche 2022 lag die Positivquote laut RKI bundesweit bei über 22 Prozent. Laut Ulf Mallek liegt diese Quote im Landkreis Meißen für die zweite Kalenderwoche bei lediglich 0,7 Prozent. Die Differenz ist schon beachtlich, nicht wahr?


Quellen:

„Sächsische Zeitung“, Lokalausgabe Riesa-Großenhain vom Freitag den 14. Januar 2022, DDV Elbland GmbH
Testzahlen des Robert-Koch-Instituts: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Testzahl.html
Titelbild und Logo: Josef Schiller

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