12. Juli 2024

Wie funktioniert Geld?

Ein Blogbeitrag von Rüdiger Rauls


Veranstaltungshinweis:

Im Rahmen des Friedenscamp Ramstein findet unter diesem Thema am Mittwoch, den 19.6. um 16 Uhr eine Diskussionsveranstaltung mit folgenden Schwerpunkten statt:

Geldschöpfung, Verschuldung, Inflation

Anhand des folgenden Kurzreferats sollen diese Themen diskutiert werden.

Referent: Rüdiger Rauls

Seit der Finanzkrise von 2007/8 und dem Zusammenbruch von Lehman-Brothers hat das Thema Geld eine bis damals nicht gekannte Aufmerksamkeit bekommen. Stand bei den meisten Menschen bis dahin die Frage im Vordergrund, wie man möglichst viel davon bekommen kann, so wurde für viele durch die Ereignisse von 2007/8 die Frage wichtiger: Wie sicher ist unser Geld?

Bis dahin war das Vertrauen in Geld und das Wirken der Notenbanken weitestgehend ungetrübt. Allerhöchstens das Thema Inflation beunruhigte gelegentlich, schien aber beherrschbar. Erst die Finanzkrise hatte vielen Menschen deutlich gemacht, welch großen Einfluss die Sicherheit des Finanzwesens insgesamt auf ihr eigenes Leben hat und wie wenig sie doch eigentlich darüber wissen.

Besonders eine Frage hatte sich in den Folgejahren als Kernthema herausgestellt: Wie entsteht Geld? Denn viele glauben, daraus Aufschluss zu gewinnen über die Sicherheit des Geldes. Sie zweifeln an dessen Zuverlässigkeit, weil immer öfter die Behauptung zu hören ist, dass die Banken Geld aus dem Nichts schaffen. Welchen Wert hat etwas, das aus nichts entsteht? Deshalb ist in den Augen vieler das Geld nichts weiter als bedrucktes Papier, Schuldschein oder ähnlich Wertloses. Das aber geht an den Tatsachen vorbei.

Geld wird nicht von den Banken geschaffen, was viele mit der Kreditvergabe durch die Banken verwechseln. Geldschöpfung ist alleiniges staatliches Hoheitsrecht. Banken schaffen Kredit, aber kein Geld. Die Kreditvergabe der Banken ist nicht unbegrenzt, sondern richtet sich nach deren Eigenkapital und den Einlagen der Bankkunden. Die Banken müssen diese Kundengelder gegen Ausfall schützen. Dazu müssen sie einen Betrag in den Banksicherungsfond einzahlen, aus dem die Rettung von Banken finanziert wird, die in Schieflage geraten. Des weiteren muss bei der Vergabe von Krediten eine Mindestreserve eingehalten werden, die nicht ausgeliehen werden darf. Deren Höhe legen die Notenbanken fest.

Um die Kreditvergabe auszuweiten über die Einlagen und ihr Eigenkapital hinaus, können sich die Geschäftsbanken von den Notenbanken Geld besorgen. Dazu müssen sie Sicherheiten hinterlegen und für das ausgeliehene Geld Zinsen zahlen. Seit der Eurokrise sind die Notenbanken dazu übergegangen, den Geschäftsbanken Wertpapiere abzukaufen, um mehr Geld über die Kreditvergabe in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Die Banken schaffen also kein Geld aus dem Nichts sondern auf der Grundlage von vorhandenen Werten.

Es gibt keinen Kredit ohne Sicherheit – weder für den Kreditnehmer bei den Banken noch für die Geschäftsbanken bei der Notenbank. Jeder Kredit muss gedeckt sein durch Werte oder durch ein regelmäßiges Einkommen. Einzig die Notenbank kann aufgrund ihrer Hoheitsrechte Geld schöpfen. Die Geldmenge, die sie neu schafft, entspricht dem Kreditbedarf der Geschäftsbanken. Besteht wenig Kreditbedarf, fordern diese wenig zusätzliches Geld. Selbst die größte neu geschaffene Geldmenge kommt nicht in den Kreislauf, wenn keine Kredit-Nachfrage besteht. Sie bleibt dann ungenutzt. (Siehe Dicke Berta im Verlauf der Euro-Krise)

Das heißt, dass eine hohe Geldmenge nicht automatisch zur Inflation führt. Hohe Geldmengen sind nicht Verursacher von Inflation sondern deren Ausdruck. Inflationen sind in den meisten Fällen verursacht durch politische Entscheidungen: die Sanktionen gegenüber Russland führten zur Verknappung der russischen Energieträger. Dadurch stiegen die Preise im politischen Westen. Die Sanktionen gegen Iran, Venezuela und andere führten zu Preissteigerungen dort durch den Verfall der Währungen. Die Inflation in der Türkei ist zurückzuführen auf die Kapitalflucht infolge des gescheiterten Putsches von 2016 und der Spannungen mit den USA nach der Niederschlagung des Putsches.

Dagegen haben die Sanktionen gegen Russland 2014 und seit 2022 kaum inflationäre Tendenzen hervorgebracht. Auch China ist aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke trotz der Spannungen und protektionistischen Maßnahmen des Westens weitgehend immun gegen Inflation. Russland und China verfügen über eine breit entwickelte Wirtschaft und sind aufgrund ihrer Währungs-Rücklagen und Staatseinnahmen nicht abhängig vom internationalen Finanzmarkt.

Im Gegensatz zu den meisten Staaten des politischen Westens sind Russland und China zur Finanzierung ihres Staatshaushaltes nicht auf die internationalen Finanzmärkte angewiesen. Die Staatsverschuldung ist gerade in den sogenannten reichen Staaten am höchsten. Sie können sich im Gegensatz zu Dritte-Welt-Staaten höher verschulden, weil sie über stabile Staatseinnahmen verfügen. Das weckt das Vertrauen der internationale Investoren, die den führenden kapitalistischen Staaten ihr Geld zur Verfügung stellen gegen Zinszahlung. Es führt aber auch dazu, viele Staatsausgaben und Investitionen über Kreditaufnahme zu finanzieren, was zur Staatsverschuldung führt.

Diese ist das Ergebnis eines Missverhältnisses von Staatsausgaben und Staatseinnahmen. Diese Schere öffnet sich immer weiter, je mehr die Ausgaben des Staates und die Leistungskraft der Wirtschaft auseinanderklaffen. Bei den USA liegt dieses Missverhältnis hauptsächlich in den hohen Militärausgaben begründet. Aufgrund der Staatsverschuldung der USA fließt inzwischen fast ein Drittel der amerikanischen Staatseinnahmen für Zinszahlungen an die Investoren zurück. Je mehr die Schulden steigen oder die Leistungskraft der Wirtschaft nachlässt, um so näher rückt die Zahlungsunfähigkeit eines Staates.

Trotz dieser Unsicherheiten leihen die Investoren den Staaten Geld. Sie vertrauen die Aussagen sogenannter Experten, dass Staaten nicht pleite gehen können. Das entspricht aber nicht den Tatsachen. Allein Argentinien war in seiner Geschichte bisher siebenmal zahlungsunfähig. Es ist nicht der einzige Staat. Die Zahlungsunfähigkeit eines Staates geht entweder zulasten der Investoren, die auf ihre Forderungen verzichten müssen und/oder zu Lasten der Bevölkerung, die unter den sozialen Einschnitten zu Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit zu leiden hat.

Aus dieser Dynamik gibt es innerhalb des kapitalistischen Systems kein Entrinnen. Es ist auch weit verbreiteter Irrglaube, dass die Wiedereinführung der Golddeckung das Problem der Staatsverschuldung und Inflation lösen könnte. Der Wert des gesamten Goldes auf der Welt ist bei weitem nicht in der Lage, die Weltwirtschaft zu finanzieren oder mit Kredit zu versorgen. Eine erneute Golddeckung würde zu einem gewaltigen Anstieg der Zinsen führen.

Mittwoch, den 19.6. um 16 Uhr 

Ortsangabe über Google Maps:
RamsteinFriedenscamp, Steinwenden, Kottweiler Str.
bzw. Kottweiler-Schwanden, Steinwendener Str.

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