Clash of the Titans 12

Ein Beitrag von “Die Aufklärung” — übernommen aus Facebook


Erklärung zur Aufklärung

Clash of the Titans 12

Eine fiktive Diskussion zweier intellektueller Größen.

1. Louis Dembitz Brandeis (1856–1941) (der erste jüdische Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten)

2. Silvio Gesell (1862-1930) (Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre)

Dies ist ein fiktives Aufeinandertreffen zweier Giganten des ökonomischen Denkens am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Auf der einen Seite Louis Dembitz Brandeis , der „Anwalt des Volkes“, Richter am Obersten Gerichtshof der USA, ein Meister des präsentierten Faktenmaterials und Verfechter der Zähmung korporativer Macht durch das Gesetz.

Ihm gegenüber Silvio Gesell, der deutsch-argentinische Kaufmann und Autodidakt, Begründer der Freiwirtschaftslehre, ein radikaler Systemerneuerer, der die Wurzel des Übels in der Natur des Geldes selbst sah.

Louis D. Brandeis (legt bedächtig eine Akte beiseite):

„Herr Gesell, ich habe Ihre Entwürfe zur „Natürlichen Wirtschaftsordnung“ studiert. Sie besitzen zweifellos die Leidenschaft eines Propheten. Aber als Jurist frage ich mich: Ist Ihre Ordnung eine, die dem Gesetz entspringt, oder eine, die das Gesetz brechen muss, um zu existieren? Sie predigen Gerechtigkeit durch die Abschaffung des Zinses und die Verstaatlichung des Bodens. Das sind radikale Eingriffe in bestehende Rechte.”

Silvio Gesell (tritt mit funkelnden Augen an den Tisch):

„Radikal, ja, Herr Richter! Weil das Übel an der Wurzel, an der Radix, gefasst werden muss. Sie nennen sich den Anwalt des Volkes, doch Sie verteidigen eine Ordnung, die dem Volk das Blut aussaugt. Ihr Gesetz schützt das Eigentum, aber es schützt nicht den Mensch vor der Ausbeutung durch das Eigentum. Sehen Sie nicht, dass unsere Geld- und Bodenordnung die Urquelle aller Ungerechtigkeit ist?”

Akt I: Die Geldordnung – Tribut oder Tauschmittel?

Brandeis:

„Ich sehe die Ausbeutung, Herr Gesell. Ich habe mein Leben dem Kampf gegen die „Bruderschaft des Geldes“ gewidmet, gegen die Banker, die das Geld anderer Leute benutzen, um Imperien zu errichten, die zu groß sind, um effizient zu sein, und zu mächtig, um demokratisch zu sein. Meine Lösung ist die Transparenz, die Zerschlagung von Monopolen, die Regulierung. Das Gesetz muss die Macht begrenzen. Aber Geld an sich ist ein neutrales Instrument des Tausches.”

Gesell (lacht bitter):

„Neutral? Geld ist so neutral wie ein bewaffneter Räuber in einer Versammlung von Unbewaffneten. Geld, wie wir es kennen, besitzt eine Eigenschaft, die keine Ware besitzt: Es ist unvergänglich. Es kostet nichts, es zu lagern. Daher kann der Besitzer von Geld den Tausch verweigern, er kann das Geld horten, bis die Warenbesitzer ihm einen Tribut zollen – den Zins. Der Zins ist kein Preis für ein neutrales Instrument; er ist ein Erpressergeld, das die Arbeit an das Kapital zahlt. Mein „Freigeld“, das rostende Schwundgeld, bricht dieses Monopol. Es zwingt das Geld zum Tausch, wie die Ware zum Tausch gezwungen ist.”

Brandeis (runzelt die Stirn):

„Ein Geld, das an Wert verliert, wenn man es hält? Eine künstliche Steuer auf die Hortung? Juristisch gesehen, Herr Gesell, ist das eine Konfiszierung von Eigentum ohne Entschädigung. Es verletzt den Grundsatz der Rechtssicherheit. Wer würde Vertrauen in eine Währung setzen, die ihm unter den Händen wegschmilzt? Sie wollen die Stabilität durch einen permanenten, staatlich verordneten Wertverlust ersetzen. Das ist kein Tauschmittel, das ist ein enteignendes Regierungsdekret.”

Gesell:

„Die Rechtssicherheit, die Sie verteidigen, ist die Sicherheit des Parasiten, sich am Wirt festzuhalten! Die wahre Stabilität liegt im Fluss der Güter, nicht im Stillstand des Geldes. Mein Freigeld sichert den Absatz der Produkte, es beseitigt die Krisen, es schafft Vollbeschäftigung. Es ist juristisch vollkommen sinnvoll, weil es den Tauschakt, der das Wesen der Wirtschaft ist, von der Fessel des Zinstributes befreit. Es ist die Verwirklichung des natürlichen Rechts auf den vollen Arbeitsertrag.”

Akt II: Die Bodenordnung – Erbe der Menschheit oder Ware?

Brandeis:

„Lassen Sie uns zum Boden kommen. Sie fordern „Freiland“, die Überführung des Bodens in öffentliches Eigentum, wobei die Nutzung gegen Pacht privat bleibt. Auch hier, Herr Gesell, stoßen wir auf das Problem der Enteignung. Das Eigentum an Grund und Boden ist tief in unserer Rechtsgeschichte verwurzelt. Die Trennung von Eigentum und Nutzung, wie Sie sie vorschlagen, würde ein bürokratisches Monster schaffen. Wer entscheidet, wer welche Pacht zahlt? Wie verhindern wir Korruption? Ich bevorzuge die Besteuerung von Bodenwertsteigerungen, wie es Henry George vorschlug, um unverdiente Gewinne abzuschöpfen, ohne das Eigentumsrecht zu zerschlagen.”

Gesell:

„Henry George sah das Problem, seine Lösung ist sinnvoll aber auch halbherzig. Besteuerung lässt das Grundübel bestehen: Das Recht, andere von der Nutzung des Bodens auszuschließen, es sei denn, sie zahlen eine Rente. Der Boden ist wie Luft und Wasser ein Erbe der Menschheit! Ihn zur Ware zu machen, ist ein Verbrechen. Meine Pacht ist keine Steuer, sie ist die gerechte Entschädigung, die der Nutzer an die Allgemeinheit zahlt, weil er einen Teil des gemeinsamen Erbes exklusiv nutzt. Die Verwaltung wäre transparent: Die Pacht wird versteigert. Das Geld fließt zurück an das Volk, als Mutter- und Kindergeld. Das ist juristische Gerechtigkeit in Reinkultur: Beseitigung des Privilegs, Herstellung der Chancengleichheit.”

Brandeis:

„Sie vereinfachen die Welt, Herr Gesell. Die Chancengleichheit, die Sie anstreben, ist eine mechanische, die die Komplexität der menschlichen Gesellschaft ignoriert. Pachtversteigerungen würden die Schwachen verdrängen, die Bürokratie würde erstarren. Ich glaube an die Macht des kleinen Eigentums, an die genossenschaftliche Organisation, an die lokale Kontrolle. Die Gerechtigkeit, die das Gesetz erreichen kann, ist keine perfekte, natürliche Ordnung, sondern ein dynamisches Gleichgewicht, das durch ständige Wachsamkeit und Anpassung aufrechterhalten wird. Ihr „natürlicher“ Zustand ist eine Utopie, die in Tyrannei enden könnte, wenn der Staat zum alleinigen Eigentümer und Geldverwalter wird.”

Akt III: Juristische Sinnhaftigkeit – Zähmung oder Neuschöpfung?

Gesell (tritt ebenfalls auf):

„Tyrannei? Tyrannei ist der Zustand, in dem wir jetzt leben! Die Tyrannei des Zinses und der Bodenrente, die Tyrannei der periodischen Wirtschaftskrisen, die Tyrannei der Armut inmitten des Überflusses. Meine Reformen sind juristisch sinnvoll, weil sie die Marktwirtschaft von ihren kapitalistischen Fesseln befreien. Sie schaffen eine Ordnung, die aus sich heraus gerecht ist, ohne die ständige, mühsame und oft vergebliche Regulierung, die Sie vorschlagen. Sie wollen das Raubtier zähmen; ich will es in ein Nutztier verwandeln, indem ich ihm die Raubtiereigenschaften nehme.”

Brandeis (blickt Gesell direkt an):

„Das Gesetz, Herr Gesell, ist kein Zauberstab, mit dem man die menschliche Natur oder die ökonomischen Gesetze neu erschaffen kann. Es ist ein Werkzeug, das mit Vorsicht und Respekt vor der Geschichte gebraucht werden muss. Ihre Reformen setzen voraus, dass man die Gesellschaft auf Null zurücksetzt. Das ist juristisch nicht sinnvoll, weil es das Vertrauen zersetzt, das das Fundament jedes Rechtsstaates ist. Wir müssen das Haus reparieren, in dem wir wohnen, nicht es niederbrennen, in der Hoffnung, dass aus der Asche ein Palast ersteht.!

Gesell:

„Vertrauen? Vertrauen in ein System, das uns in den Abgrund führt? Die Geschichte, die Sie respektieren, ist eine Geschichte der Unterdrückung. Die „Natur“, die ich anrufe, ist die Natur der Gerechtigkeit, die in jedem Menschenherzen lebt. Mein Gesetz ist das Gesetz des befreiten Austauschs. Wenn das Gesetz nicht dient, diese Gerechtigkeit herzustellen, dann ist es kein Gesetz, sondern eine Fessel.”

Der scharfe Ton ihrer Debatte weicht einer nachdenklichen Stille.

Brandeis:

„Wissen Sie, Herr Gesell, bei all unserem Streit über Paragrafen und die Natur des Eigentums… am Ende suchen wir denselben Mann: den freien, aufrechten Bürger, der nicht um sein tägliches Brot betteln muss und dessen Schicksal nicht in den Hinterzimmern großer Monopole entschieden wird.“

Gesell (nickt langsam):

„Das ist wahr, Herr Richter. Sie wollen die Macht durch das Gesetz bändigen, ich will ihr die ökonomische Nahrung entziehen. Ihr Ziel ist die Freiheit durch Gerechtigkeit – meines die Gerechtigkeit durch Freiheit.“

Brandeis:

„Vielleicht ist mein Weg der Regulierung die notwendige Krücke, solange die Welt noch nicht bereit ist, ohne die Stützen des alten Zinses zu gehen. Und vielleicht ist Ihre Vision der Kompass, der uns zeigt, in welche Richtung wir diese Krücke bewegen müssen, damit wir eines Tages tatsächlich ohne sie laufen können.“

Gesell:

„Einverstanden. Wenn Ihr Gesetz dafür sorgt, dass die Kleinen nicht zertreten werden, während wir über die neue Architektur des Hauses streiten, dann haben wir eine gemeinsame Front. Die Symmetrie, von der wir beide träumen – dass Leistung und Lohn, Pflicht und Recht wieder eins werden –, ist das einzige Fundament, das eine Zivilisation vor dem Einsturz bewahrt.“

Brandeis (lächelt dünn):

„Ein fairer Tausch, Silvio. Ich liefere die Leitplanken der Vernunft, und Sie bewahren uns den Mut zum Träumen von einer Welt, in der das Geld dem Menschen dient und nicht der Mensch dem Geld.“

Sie geben sich die Hand – der kühle Jurist und der feurige Reformer. Sie wissen, dass ihre Positionen Pole derselben Sehnsucht sind: Eine Welt zu schaffen, in der die Wirtschaft die Würde des Einzelnen nicht bricht, sondern schützt.

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