24. April 2026

Versagen in strategischen Fragen

Weiterleitung eines Newsletters von Roland Moesl

Die breite Anwendung neuer Technik durch systematische Verringerung der Produktionskosten. Musterbeispiel Henry Ford: Autos so billig produzieren, dass sich auch der einfache Arbeiter eines leisten kann.
Vom Luxus für wenige zur Selbstverständlichkeit für alle. Beim Auto gibt es zwei Komponenten beim Preis: Anschaffung und Energie. Was nützt es, wenn ein Tata Nano nur 2.500 € gekostet hat, wenn dann das Benzin für 200.000 km 12.500 € kostet – 10.000 Liter zu 1,25 €?
Da wären doch 5.000 € Auto und 2.000 € Strom viel billiger – 20.000 kWh zu 10 Cent/kWh? Nichts ist einem Premiumhersteller fremder als ein solcher Gedanke. Wer ein 100.000 € Premiumauto kauft, der hat wohl noch das Geld für den Treibstoff? 300.000 km, 36.000 Liter zu 1,50 €. 54.000 € sind auch eine Menge Geld. Auch für jene, die ein 100.000 € Auto fahren.
Die billige Massenproduktion von Autos wurde gemeistert, jetzt geht es um die zweite Komponente: die Energie dafür. Dafür gibt es nur einen Weg: Strom statt Öl. Das ist entscheidend für arme Länder, deren Entwicklung durch Ölimporte gestoppt wurde: Katastrophales Handelsbilanzdefizit verursacht durch Ölimporte.

  Strategisches Thema ignoriert

Das wäre das ganz große strategische Thema für die Autoindustrie gewesen: Autos, die mit billigem Strom fahren können. Die etablierten Autohersteller sahen sich immer nur als Autohersteller: Wir machen Autos, das ist unser Geschäft, Ölförderung, Öltanker, Ölpipelines, Raffinerien, Tankstellen sind ein komplett anderes Geschäft.
Im krassen Gegensatz dazu: das Tesla Super Charger Netz und BYD baut jetzt extremste Schnelllader für über 1 MW Ladeleistung. Beide Hersteller bieten auch Photovoltaik und Stromspeicher an. NIO baut Akkuwechselstationen.
Den Managern der etablierten Autokonzerne waren diese Themen wohl viel zu hoch. Stattdessen versäumte man Jahrzehnte mit „Wie baue ich einen Dieselmotor mit der doppelten Leistung, aber 10% weniger Verbrauch, der immer dann die Abgasreinigung einschaltet, wenn er auf einem Prüfstand steht“.
Man hat von dieser strategischen Frage so viel verstanden, wie ein Volksschüler von einer Differenzialgleichung. Man beschäftigte sich mit simplen Dingen: wie kann man mit einer unsinnigen Formel für die Verbrauchsmessung von Plug-in-Hybriden die EU-Bestimmungen zum Flottenverbrauch austricksen? Einfach nur Kindergarten.
Das war das bestimmende Thema deutscher Autohersteller auf der IAA 2015: Wir wissen auf die Wh genau, wie viel Akku man in einem Plug-in Hybrid einbauen muss, um genau bei 50 g CO2/km im Normverbrauch zu landen. Das genügt, keine Wh mehr an Akku! Eine extreme Verschlechterung gegenüber dem Opel Ampera von 2011. Hier die Werte vom Spritmonitor.de am 18. April 2026:

Das ist die extreme Verschlechterung in nur 4 Jahren, weil nicht der Kunde, sondern nur die manipulierte Flottenverbrauchsformel zählte.

  Das strategische Thema der Eigenheimindustrie

Etablierte Autokonzerne sind etwas mit hunderttausenden Mitarbeitern. Firmen in der Eigenheimindustrie sind 2 bis 3 Größenordnungen darunter. Wenn schon die etablierte Autoindustrie es nicht geschafft hat, Manager mit Weitblick anzuheuern, wie sollte es dann die Eigenheimindustrie schaffen?
Die Eigenheimindustrie im deutschen Sprachraum rechnet schlicht und einfach mit ihrer totalen Auslöschung in den nächsten Jahrzehnten. Man freut sich, wenn ein Konkurrent in Konkurs geht: Juhu, den seine 5% Marktanteil sind jetzt unser!
Ähnlich wie beim Auto hat ein Haus zwei Komponenten: die Produktion und die Energie. Beim Auto ging es um die Umstellung auf billigere Energie, beim Haus geht es um die Umstellung von Energieverbraucher auf Energieproduzent.
Dort die einfältige Einstellung „Wir produzieren Autos“, hier die einfältige Einstellung „Wir produzieren Häuser“. Nicht der geringste Ansatz zu „Wir machen Häuser zur wichtigsten Komponente einer Energiewende“.
Elon Musk hatte US$ 176 Millionen durch den Verkauf von PayPal. Wang Chuanfu, der Gründer von BYD, borgte sich 1995 US$ 300.000 bei Freunden aus. Beide haben gut investiert.

  Bosch zeigt die Folgen

In den letzten Jahren ist mir Bosch mehrmals mit negativen Statements zu Elektroautos sehr negativ aufgefallen. Verluste zeigen jetzt, welche Folgen es hat, ein strategisches Problem nicht zu begreifen.

  Einmalige Darstellungsform des Solarertrags

April 2024 schrieb ich die Software für die Simulation von 24×365 Strom mit Photovoltaik. Die Verteilung des Solarertrags für jeden Tag des Jahres. Die X-Achse zeigt jeden Tag des Jahres, die Y-Achse zeigt 16 gelbe Punkte für den Solarertrag dieses Tages im Jahr 2005 bis 2020. Mit der Darstellung sieht man auf einen Blick, wie schwierig es ist aus dem täglichen Solarertrag 24×365 Strom zu machen.

Ich beschäftige mich seit 1991 intensiv mit Solarstrom, wieso ist mir diese Darstellungsform noch nie begegnet? Ich fragte Grok darüber. Es kann doch nicht wahr sein, dass ich im Jahr 2024 eine innovative Darstellungsform geschaffen habe.
Man kann ein Problem mit all seinen Schwierigkeiten angehen. Diese Graphik verdeutlicht leicht verständlich all diese Schwierigkeiten.
Man kann vortäuschen, ein Problem anzugehen. Dann wird man niemals eine solche Graphik veröffentlichen.

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