Eine Zeitreise durch zinsfreie Geldsysteme

Ein Beitrag von “Die Aufklärung” — übernommen aus Facebook


Erklärung zur Aufklärung

Geld muss dienen, nicht herrschen!

Das heutige Geldsystem wird oft als alternativlos dargestellt. Doch ein Blick in die Geschichte und in globale Nischen zeigt: Es gab und gibt zahlreiche Modelle, die genau das taten, was Silvio Gesell später theoretisch begründete – das Geld zum Diener des Austausches zu machen, statt es zum Herrscher über die Wirtschaft werden zu lassen.

Freigeld ist älter als man glaubt und historisch keine Ausnahmeerscheinung.

Hier sind die spannendsten Alternativen und ihr Bezug zum „Freigeld“:

1. Korngiro in Ägypten (ca. 322–30 v. Chr.)

In Ägypten wurde Getreide auf Papyrus-Konten verwaltet. Da Getreide durch Lagerung Kosten verursacht und an Qualität verliert, mussten die Kontoinhaber eine „Lagergebühr“ zahlen.

Bezug zu Gesell:

Dies ist das historische Ur-Modell der Umlaufsicherung. Geld wird hier wie eine vergängliche Ware behandelt. Es gibt keinen Anreiz zum Horten, da das Guthaben mit der Zeit schrumpft (Negativzins).

2. Lykurgs Eisengeld (Sparta, ca. 8. Jh. v. Chr.)

König Lykurg ersetzte Goldmünzen durch schwere, wertlose Eisenstangen. Um das Eisen unbrauchbar für Schmiede zu machen, wurde es in Essig spröde gemacht.

Bezug zu Gesell:

Lykurg brach das Hortungsprivileg. Wenn Geld schwer, unhandlich und wertlos außerhalb des Tausches ist, verliert es seine Macht als Spekulationsobjekt. Es erzwingt eine Konzentration auf reale Werte und soziale Gleichheit.

3. Mittelalterliche Brakteaten (12.–14. Jahrhundert)

Diese dünnen Silbermünzen wurden regelmäßig „verrufen“ (für ungültig erklärt) und mussten gegen eine Gebühr in neue Münzen umgetauscht werden.

Bezug zu Gesell:

Die „Renovatio Monetae“ erzeugte einen enormen Investitionsdruck. Da niemand auf dem alternden Geld sitzen bleiben wollte, floss es in den Bau von Städten und Kathedralen. Es war die praktische Umsetzung von Gesells Beobachtung, dass fließendes Geld Wohlstand für alle schafft.

4. Das Guernsey-Experiment (ab 1815)

Die Insel Guernsey finanzierte ihre Infrastruktur (Markthalle, Straßen) durch selbst gedruckte, zinsfreie „Market Notes“, statt Kredite bei Londoner Banken aufzunehmen.

Bezug zu Gesell:

Hier wird das staatliche Geldschöpfungsmonopol ohne Zinslast genutzt. Es beweist Gesells These, dass Geld kein knappes Gut sein muss, das man sich teuer leihen muss, sondern ein vom Gemeinwesen geschaffenes Werkzeug ist.

5. Das Wära-Experiment (Schwanenkirchen, 1931)

Inmitten der Weltwirtschaftskrise belebte die Komplementärwährung „Wära“ ein ganzes Dorf, indem sie durch monatliche Klebemarken (Schwundgebühr) im Umlauf gehalten wurde.

Der Werbespruch “Jedem sein Radio!” geht auf die Wära zurück.

Bezug zu Gesell:

Das Wära-Experiment war die direkte Anwendung von Gesells Freigeld. Es zeigte in der Praxis, dass die Umlaufsicherung die lokale Wirtschaft sogar dann rettet, wenn das offizielle System kollabiert.

6. Das Wunder von Wörgl (Österreich, 1932)

Inspiriert vom Wära-Erfolg führte der Bürgermeister von Wörgl „Bestätigte Arbeitswerte“ ein. Diese Scheine erforderten monatlich eine Klebemarke im Wert von 1% des Nennwerts, um gültig zu bleiben.

Bezug zu Gesell: Wörgl ist das berühmteste Praxisbeispiel der Freiwirtschaft. Die Umlaufsicherung funktionierte perfekt: Das Geld zirkulierte extrem schnell, die Gemeinde konnte Schulden abbauen und Bauprojekte realisieren, während ringsum die Krise wütete. Es wurde schließlich von der Nationalbank verboten.

7. Das WIR-System (Schweiz, seit 1934)

Ein genossenschaftliches Verrechnungssystem zwischen Unternehmen, das ohne Bargeld der Zentralbank funktioniert.

Bezug zu Gesell:

Das WIR-System nutzt den Aspekt der zinsfreien Verrechnung. Es entzieht dem Geld die Funktion als „Warenlager für Wert“ und reduziert es auf seine Kernfunktion: das Verrechnen von gegenseitigen Leistungen innerhalb eines Vertrauensnetzwerks.

8. Islamisches Banking (Sukuk & Riba-Verbot)

Im Islam ist der Zins (Riba) verboten. Stattdessen werden Gewinne und Verluste aus realen Investitionen geteilt.

Bezug zu Gesell:

Beide lehnen das leistunglose Einkommen durch Zins ab. Während Gesell dies technisch durch Umlaufsicherung löst, tut es das Islamische Banking durch ethisch-religiöse Regeln und die Bindung von Geld an reale Sachwerte.

9. Kryptowährungen mit „Demurrage“

Moderne digitale Währungen (wie z.B. bestimmte lokale Coins oder Konzepte wie Duniter oder FlussMark), bei denen der Kontostand automatisch um einen kleinen Prozentsatz sinkt, wenn das Geld nicht bewegt wird.

Bezug zu Gesell:

Dies ist die digitale Evolution des Freigelds. Die Programmierung ersetzt die physische Klebemarke. Es ermöglicht eine globale, automatisierte Umlaufsicherung ohne bürokratischen Aufwand.

Fazit: Die Wurzel des Übels packen

All diese Systeme, von den Pharaonen bis zur Blockchain, haben einen gemeinsamen Nenner:

Sie versuchen zu verhindern, dass Geld durch bloßes Liegenlassen mehr wird. Silvio Gesell hat diese historischen Erfahrungen in eine wissenschaftliche Form gegossen.

Seine Botschaft bleibt aktuell: Nur Geld, das zum Fließen gezwungen wird, kann eine gerechte Gesellschaft ohne periodische Krisen ermöglichen.

Die historischen Beispiele zeigen:

Wenn wir die Umlaufsicherung wieder einführen – also Geld dazu zwingen, wie eine Ware zu „altern“ –, verschwindet der Anreiz zur Hortung. Das Kapital fließt dorthin, wo es gebraucht wird: in Schulen, Infrastruktur und das Gemeinwohl.

Quellen:

https://www.hengersberg.de/…/geschichte/waera.html…)%20ausgeglichen%20werden.

https://humanwirtschaftspartei.de/?p=24583…

https://fairconomy.org/die-vergessene-wahrung-brakteaten…

Visited 3 times, 2 visit(s) today
Sag es weiter, teile es!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert