Es geht auf den Sommer zu. Und damit auf die “großen Ferien” und den Wechsel der Klassenstufe für hunderttausende Schüler. Die regelmäßigen Pisa-Studien werden den deutschen Schülern ein weiteres absinken des Bildungsniveaus bestätigen und die bundesdeutsche Politik und die Parteien werden sich in Rechtfertigung und Schuldzuweisungen üben.
Unser Schulsystem ist weit über hundert Jahre alt und seit hundert Jahren in der Kritik. Alle Kritikpunkte auf zu führen würde Seiten brauchen. Aber angesichts des aktuellen Bildungsniveaus nur von wenigen verstanden.
Zwischenzeitlich gab es im Osten Deutschlands ein etwas anderes Schulsystem. Ein System, welches zu einen dem Alt-, und jetzt Gesamtbundesdeutschen System überlegen war. Das führte dazu, dass heutige Abiklassen an einer Abschlussprüfung der Polytechnischen Oberschule der DDR kläglich scheitern. Und der Chef einer Handwerkskammer zu der Aussage kommen kann: Der Polytechnische Oberschulabschluss (nach 10 Jahren Schulszeit) entspricht dem Abi-Abschluss der heitigen Gymnasien ( nach 12 (Ost) bzw 13 Jahren (West) Schulzeit) Ein alter Ostwitz erklärt, warum die bundesdeutschen Schüler ihr Abi erst nach 13 Jahren ablegen können. Dieses 13. Jahr ist notwendig, um mit Hilfe des dort erteilten Schauspielunterrichts ihre Bildungslücken und ihr Nichtwissen überspielen zu können.
Als ein inzwischen mehrere Kinder nach westlichen Standart in Gymnasium, Mittelschule und Förderschulen unterrichtet sehender Vater mit polytechnischen Oberschulabschluss kann man daher nur dringend eine umfassende Schulreform fordern.
Die beginnt an der Art der Einteilung der Schulzeit. Der aufsteigende Wechsel von Grund-, Mittel- Real- und Oberschule mit ständig veränderten Klassenverbänden ist zu beenden. Die Schüler sollten alle Jahre einen festen Verband unterichtet werden. Die umfasst auch die sogenannte Inklusion. Experimente der sächs. Gemeinschaftsschulen (5-10. Klasse – erst nach 9. Klasse Wechsel zum Gym) hatten beachtliche Erfolge, wurde aber wieder aus politischen Gründen beendet.
Schulen müssen Wohungsnah sich befinden. Da sind kleinere Klassen nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern Ziel. Klassen mit über 30 Kindern sind eine Zumutung für Schüler und Lehrer. Eine anständige Bildung kann dort gar nicht vermittelt werden. Zusätzlich sind zur Zeit die Kinder zum Teil Stunden unterwegs, um zu ihrer Schule und zurück zu gelangen. Das ist Diebstahl von Lebenszeit bei den Kindern. Die sogenannte Ganztagsbereuung verstärkt diese zusätzlich und verhindert die Ausbildung von Verantwortung für seine eigene Lebenszeit.
Schulbücher. Diese sollten ohne offensichtliche Fehler gedruckt werden. Es kann sich sein, das in solchen Werken bereits falsche Aussagen – und das in rein naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern – enthalten sind. Es vergeht kein Schuljahr, wo wir als Eltern nicht solche Fehler in einem der Pflichtschulbücher gefunden hätten. Oftmals schon in der x.ten Auflage. Wer schreibt solche Bücher? Wem gehören diese “Schulbuch”Verlage? Ganz zu schweigen von dem mittlerweile wieder überall als moderne Wissenschaft getarnten zu findenden ideologischen Quatsch in Schulbüchern.
In aller (grünen) Munde: Die frühkindliche Bildung. Kinder lernen bereits in der Kita lesen, rechnen und schreiben. Mit Schulbeginn wird das ganze noch einmal wiederholt und die Kinder schalten wegen Langeweile ab und lernen als erstes die Schule zu verweigern. Anstelle dieser “frühkindlichen Bildung” sollte mehr Wert auf spielerische Festigung der Sprache gelegt werden. Fehlende Sprachkenntnisse müssen ja oft als Ursache für das Versagen unseres Schulsystems herhalten. Besonders in der Migrationsdebatte. Was auch verständlich ist. Wer sich sprachlich nicht gut verstädigen kann kann nur eingeschränkt lernen. Andererseits ist es ja nach Aussage einer grünen Politikerin nicht notwendig, rechnen, lesen und schreiben zu können um in höchsten Ämtern dem Rest des bildungsfernen Plebs vorzuschreiben was gut für ihn ist. (Auf welcher Schule war die?)
Weitere Gründe für die Marodität unseres Schulssystems: Zu wenig Lehrer – sprich Unterrichtsaufall und Schließung ganzer Schulen, vor allem auf dem ländlichen Raum. Und in einem kapitalistischen System natürlich: fehlendes Geld für die Erhaltung der schulischen Gebäude.
Greifen Eltern zur Selbsthilfe und stellen eigne Lehrer auf private Kosten an oder Eröffnen eine eigne Schule (Siehe Hus-Schule im Erzgebirge) so machen sie sich strafbar, weil sie dem in der Schulpflicht innewohnenden Schulszwang sich widersetzen. Die Schulpflicht beinhaltet nämlich in erster Linie den Zwang, ein marodes, streng genommen baufälliges Gebäude zu benutzen und sich von nicht vorhandenen staatlichen Lehrern und Pädagogen unterrichten zu lassen. Wer dies verweigert riskiert hohe Geldstrafen.
Und wie es der Zufall so will, eine ca 40% Partei in Sachsen/Anhalt fordert ein Ende der Schulpflicht. Die wollen Schule abschaffen. So die mediale Aussage. Verbunden mit der Warnung, daß das Bildungsniveau nicht mehr gehalten werden kann und ganze Generationen verblöden werden. Und das ABI aus Sachsen-Anhalt wird bald nichts mehr wert sein! (was ist ein Abi eigentlich wert, wenn ein normaler Schulabschluss der DDR von einem heutigen Abiturienten schon nicht mehr geschafft wird?) Das geht nun wirklich nicht. Schafe wehrt euch.
Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen eine Schulspflicht noch existiert. Auch fast alle Nachbarländer haben da liberalere Regelungen. Und in den USA können auf Grund der Verweigerung der Schulpflicht in Deutschland mit Strafe bedrohte Bürger sogar politisches Asyl erhalten.
Sind diese Länder daher alle in der Pisa-Studie hinter Deutschland? Mitnichten, Deutschland rangiert nach ihnen.
Dabei greift diese 40% Partei nur alte Forderung auf (welche auch vom ehemaligen sächsischen LV der HUMANwirtschaft schon vor Jahren – lange vor der Existens einer Afd – vertreten wurde): Umwandlung der Schulpflicht in eine Bildungspflicht! Und eine solche geht weit über eine starre, überalterte Schulspflicht hinaus.
In der die Schulspflicht ablösenden Bildungspflicht ist es jedem in eigenverantwortlichem Handeln freigestellt, wie er zu der für ihn möglichen höchsten und besten Bildung gelangt. Ob Freie Schulen, Hausunterricht durch Eltern oder Privatlehrer, ob Bildungseinrichtungen in kommunaler oder privater Hand. Am Ende eines jeden Bildungszeitraumes steht immer die Prüfung der erworbenen Kenntnisse durch eine der öffentlichen Hand verpflichteten Bildungskommision. Und eine Bildungspflicht endet nicht mit dem Ende der Regelschulzeit oder in einem bestimmten Lebensalter. Die Bildungspflicht gilt für die gesamte Lebenszeit! Zugeben, das würde die Nutznießer des betreuten Denkens völlig überfordern.
Finanziert werden kann dies zum Beispiel durch gesellschaftliche (also zur Zeit noch staatliche) Bildungsgutscheine, welche jedem Bürger mit einer festen Summe zugeteilt werden. Diese sind frei übertragbar und auch handelbar. Und für die Bildungseinrichtungen gilt eine Annahmepflicht.
Das Ende der Schulspflicht ist also nicht das Ende der Bildung in Deutschland – bzw. zunächst in Sachsen Anhalt – sondern die Chance auf echte Bildung für alle Menschen. Es ist die Chance neue Wege zu beschreiten und aus der Sackgasse unserer gesellschaftlichen Verblödung zu kommen.
Also:

