Eine Weiterleitung von europeanpeaceproject via Facebook
Eine sehr gefährliche Entwicklung der wir uns unbedingt entgegenstallen müssen! Vor allem nachdem Deutschland denselben Fehler bereits zweimal begangen hat und das Ergebnis kennen müsste. Der Vergleich sollte hier besser mit Karthargo gezogen werden, das nach dem 3. Krieg nicht mehr auffindbar war!
Diese 5 Lobbyisten stehen hinter dem deutschen 500-Milliarden-Aufrüstungsplan „Sparta 2.0“
Der Ökonom Moritz Schularick und vier gut vernetzte Rüstungsfreunde rufen zu einer „historischen“ Aufrüstung Europas – unter einer Großmacht Deutschland und für dessen Industrie.
Wer die Fünf sind und was ihr Plan „Sparta 2.0“ vorsieht
“Moritz Schularick, seit 2023 Präsident des „Kiel Instituts für Weltwirtschaft“, ist ein Antreiber in Sachen Aufrüstung. Schon die Grundgesetzänderung, die es der Regierung ermöglicht, zugunsten unbegrenzter Waffenkäufe die Schuldenbremse zu lockern, hat er geistig mitvorbereitet. Im Juni 2024 veröffentlichte er zusammen mit dem konservativen britischen Historiker Niall Ferguson einen Aufrüstungsappell in der Frankfurter Allgemeinen.
Unter dem Titel „Deutschland hat den Schuss nicht gehört“ plädieren die beiden für die Verdreifachung der deutschen Rüstungsausgaben innerhalb von zehn Jahren. Dass die Finanzierung langfristig durch Einsparungen in den Renten- und Sozialversicherungssystemen erfolgen soll, geben die Professoren ganz offen zu.
Jetzt legt Schularick eine Schippe drauf. Gemeinsam mit vier weiteren Rüstungsfreunden präsentierte er der staunenden Öffentlichkeit die überarbeitete Fassung eines Aufrüstungskonzepts namens „Sparta 2.0“. Danach soll die Regierung ein zweites Sondervermögen für Verteidigung auflegen, diesmal nicht mit 100 Milliarden Euro dotiert wie 2022, sondern mit 500 Milliarden!
Eine Mixtur aus Demokratie, Monarchie und Oligarchie als Vorbild
„Sparta“ steht für „Strategic Protection and Advanced Resilience Technology Alliance“. Die Verfasser haben sicher lange überlegt, um auf die gewünschte Abkürzung zu kommen. Denn Sparta gilt als Synonym für Militarismus und autoritären Staat. Während Geschichtsschreiber die verweichlichten Athener gern als kosmopolitisch, demokratisch und weltoffen beschreiben, rühmen sie den Spartanern Härte, Genügsamkeit und rigoroses Autarkiestreben nach. Sie hätten ihre Grenzen gegen fremde Eindringlinge gesichert, während die Athener sorglos verschwenderische Partys feierten. Sparta, sagen Historiker , war eine Mixtur aus Demokratie, Monarchie und Oligarchie, und diese Staatsform scheint den Verfassern des Aufrüstungskonzepts als Vorbild zu dienen.
Die Neu-Spartaner schlagen ein neues „Manhattan Project“ vor, das Deutschland und Europa in die Lage versetzen soll, sich künftig ohne US-Hilfe zu verteidigen. Wie beim Bau der Atombombe in Los Alamos sollen sämtliche Ressourcen in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft mobilisiert werden, um durch eine gemeinsame Kraftanstrengung ein „historisches“ Aufrüstungsprogramm durchzusetzen, das Deutschland wieder in die erste Liga der Weltmächte katapultiert. Die Dringlichkeit des Vorhabens zeigt sich schon in der Anlehnung an die berüchtigte Entweder-oder-Formel der deutschen Imperialisten am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Nur heißt sie diesmal nicht „Weltmacht oder Niedergang“, sondern „Abhängigkeit oder Selbstbehauptung. Deutschlands und Europas Rolle im 21. Jahrhundert entscheidet sich jetzt“. Angstmache schimmert durch alle Zeilen.
Die EU soll unter deutsche Kontrolle gestellt werden
Zu Beginn identifizieren die Autoren „zehn Fähigkeitslücken“ der Bundeswehr, von der fehlenden „Massenproduktion“ preiswerter Drohnen bis zum unzureichenden „Zugang zum All“: „Europas Abhängigkeit“, so die Autoren, „durchzieht nicht nur einzelne Waffensysteme, sondern letztlich die gesamte Wirkkette – von der satellitengestützten Aufklärung über die Feuerleitung bis zum Gefechtsfeld. Kein europäischer Kampfeinsatz ist aktuell ohne Freigabe, Software oder Systeme des transatlantischen Bündnispartners denkbar.“
Diese Abhängigkeit werde sich noch vergrößern, wenn Deutschland nicht radikal umsteuert und seine europäischen Nachbarn dazu antreibt, sich von herkömmlichen militärischen Denkmustern und Beschaffungsprogrammen zu befreien. Das heißt, die Umsetzung des Aufrüstungsprogramms soll ausdrücklich „nicht über eine neue europäische Superstruktur erfolgen, sondern über belastbare Leitkoalitionen“.
Gemeint sind die Umgehung zeitraubender demokratischer Aushandlungsprozesse in der EU und ihr Ersatz durch zackige deutsche Führung im Rahmen verschiedener Koalitionen der Willigen. „Der Weg zu europäischer Verteidigungsautonomie führt zwangsläufig (!) über den Einsatz der finanziellen und industriellen Ressourcen Deutschlands für die europäische Verteidigung.“ Anders ausgedrückt: Ohne Deutschland wird das nichts. Die EU muss, um im Konfliktfall handlungsfähig zu sein, unter deutsche Kuratel gestellt werden. Das ist der politische Kern von „Sparta 2.0“.
Kamikaze-Drohnen, Hyperschallraketen, elektromagnetische Kampfführung
Wirtschaftlich verspricht man sich von den 500 Rüstungsmilliarden aber nicht nur eine Steigerung der Effizienz der Bundeswehr, sondern auch einen enormen Wachstumsschub für die deutsche Industrie. Denn nach Auffassung der Sparta-Autoren muss das rückständige und schwerfällige Beschaffungswesen für die Armee zugunsten unbürokratischer Investments in militärische Start-ups und umgerüstete Automobil-, Maschinenbau- oder Software-Unternehmen revolutioniert werden. Der rasche Aufbau der Waffenschmieden in der Ukraine wird dabei als leuchtendes Vorbild gepriesen. Die deutsch-ukrainische Waffenbrüderschaft ist wieder im Werden. Notwendig sind nach Auffassung der Sparta-Autoren vor allem Investitionen in Software, Datenverarbeitung und KI-gestütztes „Battle Management“, in Marschflugkörper und Kamikaze-Drohnen, in Bergungsroboter, unbemannte Fahrzeuge, intelligente Munition (Loitering Munition), Hyperschallraketen, Luftkampfsysteme, Drohnen- und Raketenabwehr, Frühwarnsysteme, Satellitenaufklärung, Satellitentransport ins All, Lufttransport, Luftbetankung, mobile Militärhospitäler, elektromagnetische Kampfführung und „militärische Cloud“. Letzteres, um „die gesamte Sense-Fuse-Decide-Edge-Kette abzudecken“ (das Papier schwelgt geradezu in wichtigtuerischen Militär-Anglizismen).
Im Rahmen seiner Vorschläge kommt „Sparta 2.0“ auch zum entscheidenden Punkt: den erhofften Großaufträgen für die deutsche Wirtschaft. „Auf der industriellen Seite muss das schnelle Hochfahren von neuen Produktionskapazitäten und zugehörigen Lieferketten im Mittelpunkt stehen.“ Denn „Investitionen in Software, KI und Raumfahrt generieren überproportionale Wertschöpfung und industrielle Spillover-Effekte“. VW, Mercedes, Siemens, Telekom und andere können sich den Einstieg ins lukrative Rüstungsgeschäft bereits vorstellen und stehen Gewehr bei Fuß. Doch die Sparta-Autoren erheben den Zeigefinger: Die zusätzlichen 500 Milliarden „müssen in zusätzliche Produktionsanlagen, neue Anbieter und Technologiebereiche fließen“, nicht in alte Strukturen. Die Eintrittsbarrieren für Newcomer sollen deshalb möglichst niedrig sein und „von regulatorischen Auflagen weitgehend“ befreit werden.
An diesem Punkt kommen die fünf Unterzeichner des Papiers auch persönlich ins Spiel. An vorderster Front steht Erbprinzessin Jeannette zu Fürstenberg, eingeheiratet in uralten europäischen Hochadel (Haus Fürstenberg, Donaueschingen). Sie ist Europa-Direktorin des US-Risikokapitalgebers General Catalyst . In dieser Funktion steuert sie mit Investments von einer Milliarde Euro jährlich die deutsche Start-up-Szene, leitet die EU-Initiative „AI Champions“, sitzt beim Münchner Rüstungskonzern-Start-up Helsing im Verwaltungsrat und fördert Partnerschaften etablierter Unternehmen wie Mercedes, Siemens oder SAP mit aufstrebenden Jungunternehmern, vornehmlich in den Bereichen Energie und Verteidigung. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, wo der Spartner Schularick als Präsident wirkt.
Das Superschwergewicht unter den Unterzeichnern ist aber zweifellos Thomas Enders. Er verkörpert den militärisch-industriellen Komplex. Der ehemalige Fallschirmjäger und Major der Reserve war Chef von DASA, EADS und Airbus, unter Gerhard Stoltenberg (CDU) Mitglied des Planungsausschusses im Bundesverteidigungsministerium, Stipendiat und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, Vorsitzender der Atlantik-Brücke , neunmaliger Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz und Mitglied des CSU-Ortsverbands Tegernsee (wobei er wegen Angela Merkels Atomenergie-Moratorium die CSU 2011 wieder verließ).
Derzeit ist Enders Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP ), Verwaltungsratsvorsitzender des deutsch-französischen Panzerherstellers KNDS und Kommandeur der Ehrenlegion. Vor einigen Jahren gründete er mit Ex-BND-Präsident Gerhard Schindler, Sicherheitsexperte Peter Neumann, dem Rüstungsindustrie-Berater Sandro Gaycken und Cathrin Clüver Ashbrook von der Bertelsmann Stiftung das global agierende Sicherheitsunternehmen „Monarch “.
Dessen Zweck: „Schutz demokratischer Systeme“ (daher wohl der sinnige Name „Monarch“).
Dritter im Sparta-Bund ist Ex-Telekom-Chef René Obermann. Seit 2020 bekleidet er das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden bei Airbus . Er war Geschäftsführer des New Yorker Investors Warburg Pincus , gründete mit anderen Internet-Größen die Internet Economy Foundation (mit dem Ziel, Europas technologische Souveränität zu fördern), saß im Präsidium des Branchenverbands Bitkom und im Senat der Fraunhofer-Gesellschaft, erhielt den Zukunftspreis der CDU Nordrhein-Westfalen und den Ben-Gurion Leadership Award , ist Offizier der Ehrenlegion und beehrte die Aufsichtsräte von E.ON, Thyssen-Krupp, Allianz Deutschland und CompuGroup Medical mit seiner IT-Expertise. Wie die übrigen Unterzeichner gilt Obermann als extrem gut „vernetzt“.
Neu ist Nico Lange. Der ehemalige Zeitsoldat diente in verschiedenen NATO-Stäben und nahm an Einsätzen in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo teil. Er arbeitete als Referent der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag und leitete Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kiew und Washington. Als Bevollmächtigter für Innovation und Strategie diente er Annegret Kramp-Karrenbauer in der saarländischen Staatskanzlei und später als Leiter des Leitungsstabs im Bundesverteidigungsministerium. Kurze Zeit war er stellvertretender Bundesgeschäftsführer der CDU. Heute arbeitet er als Politikberater. Vielen Medien gilt er als Ukraine-Experte.
Nummer fünf ist, wie bereits erwähnt, Moritz Schularick, der intellektuelle Antreiber des Ganzen. Der äußerst smart auftretende Professor für Makroökonomie studierte Volkswirtschaft in Berlin, London und Paris, erlangte eine Schumpeter-Fellowship der Volkswagen Stiftung, weilte als Gastprofessor in Cambridge, übernahm 2015 die Alfred-Grosser-Professur in Paris und ist seit 2018 Mitglied der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Als Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft sitzt er genau an der richtigen Stelle. Denn das Institut hat – militärhistorisch betrachtet – eine spezielle Tradition. Anfang 1914 errichtet, warf sich Gründungsdirektor Bernhard Harms der aufflammenden Kriegsbegeisterung sogleich in die Arme, plädierte für die Ausweitung des U-Boot-Kriegs und hetzte gegen Großbritannien.
Aber nicht nur im Ersten, auch im Zweiten Weltkrieg betätigte sich das Institut als Ideengeber für Wirtschaftskrieg und Kriegswirtschaft. Seine Forscher setzten auf deutsche Autarkie und konzipierten einen deutsch beherrschten „Europäischen Wirtschafts-Großraum“. Andreas Predöhl, Institutsleiter ab 1934, betrieb offen Nazi-Propaganda und verbreitete nach 1941 Durchhalteparolen. Im Verwaltungsrat des Instituts saßen neben Wirtschaftsgrößen wie Bankier August von Finck und Hapag-Chef Emil Helfferich auch Vertreter von IG Farben, Bosch und Commerzbank.
Es ist immer ein Warnzeichen, wenn sich Rüstungslobby und Wissenschaft eng aneinanderbinden.”
Wolfgang Michal https://www.freitag.de/…/aufruestung-fuenf-lobbyisten…

